Die Geburt des Vampirs von Simeon Elias Hüttel

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Die Geburt des Vampirs Simeon Elias Hüttel

Zur Geistesgeschichte einer Schreckensvision

Natürlich ist mir im Laufe meines Leselebens schon der eine oder andere Vampir oder Vampirin über den Weg gelaufen und das waren nicht die schlechtesten Begegnungen (auf dem Papier). Gerne erinnere ich mich an die Zeit, in der ich von „Interview mit einem Vampir“ und den anderen Vampirromanen von Anne Rice fasziniert war. Die (für meine damals jugendlichen Augen) krass blutige Verfilmung könnte Teil dieser Faszination gewesen sein.

Etwas beschämter erinnere ich mich aber auch daran, dass ich auch die komplette Twilight-Reihe, immerhin interessiert, wenn auch mit Augenrollen gelesen habe.

Denn der Vampir ist keine Erfindung der Schriftsteller*innen unserer modernen Zeit, sondern einer viel älteren vorwiegend osteuropäischen Vorstellungswelt entstiegen.

Der Glaube an Untote und Wiedergänger*innen reicht sogar noch viel weiter bis in die Antike zurück und ist in unterschiedlicher Ausprägung und Auftreten mythologischer Bestandteil verschiedener Kulturen.

Simeon Elias Hüttel widmet sich in seinem schmalen Sachbuch der Frage: 

„Wie wurde aus den aufgedunsenen Wiedergängern Alteuropas der vielleicht schönste und eleganteste Antagonistentypus, den die heutige Zivilisation zu bieten hat?“

Die unterschiedlichen Kapitel haben die Form von Essays, die chronologisch geordnet mit den Ursprüngen des Vampirglaubens beginnen und sowohl auf die historischen Vorlagen und Zusammenhänge als auch auf die literarische Verarbeitung eingehen.

Die Geburt des Vampirs

In der Ausarbeitung der Kapitel verzichtet Hüttel dabei weitgehend auf einen unterhaltenden oder erzählenden Aspekt und konzentriert sich rein auf die Analyse der historischen Fakten und seine literarischen Quellen.

Jetzt lese ich so ein Sachbuch rein aus privatem Interesse und hätte mir wahrscheinlich mit einem populärwissenschaftlicheren Ansatz leichter getan. So waren dann einige Passagen stellenweise doch recht trocken und zäh. 

Auch hätte ich mir nach der vielversprechenden Kurzbeschreibung gewünscht, dass Hüttel den Bogen noch stärker zur popkulturellen Interpretation der Vampirerzählung spannt, einem Feld, in dem ich mich heimischer fühle als in Goethes „Braut von Konrinth“.

Ich würde daher sagen, dass sich „Die Geburt des Vampirs“ für vorgebildete Leser*innen eignet oder aber für thematisch sehr interessierte Leser*innen, die die Mühe nicht scheuen, Sekundärliteratur (oder wahlweise wie in meinem Fall Internetrecherche) zu Rate zu ziehen, um die Lektüre gegebenenfalls zu ergänzen.

Für mich sicher ein lohnendes Buch, um meine aus der Popkultur gewonnenen Vorstellung von Vampiren um mehrere historische wie literarische Dimensionen zu ergänzen.

  • Simeon Elias Hüttel
  • Die Geburt des Vampirs Simeon Elias Hüttel Klappentext

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