Gernot Rainer ist Facharzt für Lungenheilkunde in Wien und hat bereits einige Schreiberfahrung als Kommentator und Sachbuchautor. Mit „Bruchlinien“ hat er jetzt seinen ersten Roman über ein ihm thematisch sehr vertrautes Thema veröffentlicht: die Zeit der Corona Pandemie in Österreich.
Und besonders nimmt er das Erleben der Krise im Mikrokosmos Schule in den Blick. Seine Figur Paul ist ein engagierter Lehrer und stets bemüht seine Schüler*innen bestmöglich durch die Schul- und Lernzeit zu begleiten. Er weiß, dass die Eltern ihm das Wichtigste anvertrauen: ihre Kinder.
Rainer zeigt neben Paul noch viele andere Menschen. Katharinas Vater stirbt an einer Coronainfektion und machte die trauernde und verängstigte Tochter zu einer Verfechterin von Masken- und Impfpflicht. Ihr gehen die Schutzmaßnahmen nicht weit genug. Die Schauspielerin Isi wird durch coronabedingte Absagen arbeitslos, sucht frustriert nach Schuldigen und findet sie in den Coronaschutzmaßnahmen. Ihr gehen die Schutzmaßnahmen viel zu weit.
Beide Frauen haben Kinder in Pauls Klasse. Und die beiden gegensätzlichen Pole entzünden sich an seiner Umsetzung der Schutzmaßnahmen in der Klasse.
Bruchlinien durch die Gesellschaft
Rainer beschreibt nachvollziehbar und beispielhaft, wie sich die verschiedenen Beteiligten immer weiter radikalisieren und wie die Schule, die Schüler*innen und Paul in diesem Konflikt zerrieben werden.
“Zwei Lager, zwei Wirklichkeiten. Früher hätte er gedacht, dass man Brücken bauen kann. Heute war er sich nicht mehr sicher.”
Während ich „Bruchlinien“ lese, wird mir klar, wie viel ich mittlerweile aus dieser Zeit vergessen und verdrängt habe. Ich könnte einiges über meine eigenen Erfahrungen aus dieser Zeit erzählen. Denn mit meinen Schulkindern habe ich genau die Konflikte und die gegensätzlichen Sichtweisen, die Rainer beschreibt, in meinem Umfeld erlebt.
Corona ist mittlerweile verschwunden, die harten Bruchlinien, die sich durch die Gesellschaft ziehen, sind leider sind geblieben.
Für mich war „Bruchlinien“ eine super lesenswerte Zeitreise in ein Kapitel, das ich am liebsten vergessen würde, das aber so viel unserer heutigen gesellschaftlichen Verwerfungen erklärt. Und deswegen eigentlich einer andauernden Aufarbeitung bedarf.
Trotz kleinerer Kritikpunkte, wie der an ChatGPT erinnernde, zusammenfassende und verknappte Schreibstils und die etwas schablonenhaften Figuren, möchte ich dir den Roman gerne empfehlen. Falls du bereit bist, noch einmal in diese Zeit zurückzukehren.
Vielen lieben Dank an den österreichischen Indieverlag Kremayr & Scheriau für das Rezensionsexemplar mit der wunderbaren Gestaltung und an Buch Contact für die Vermittlung. Danke und viel Erfolg an Gernot Rainer für seinen Roman!




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