Ach ja, herrlich! Ich sitze in meinem super spießigen und ultralangweiligen Leben und liebe dann solche Romane wie „Fast Abend, immer noch hell“. Die Figuren sind attraktiv, jung und hot, die Location, das Setting folgt dem ehemaligen Hygge-Trend und alle haben Probleme, von denen du dir eigentlich wünschtest, du hättest sie auch.
Kein Wunder, dass der Debütroman der dänischen Autorin Linea Maja Ernst von der internationalen Presse laut Klappentext hymnisch gefeiert wurde und in Dänemark ein absoluter Bestseller war. Er liest sich super sommerlich leicht und verhandelt gleichzeitig Themen wie die Suche nach alternativen Lebensstilen, Queerness und die Frage nach der Gestaltung des Lebens in den 20ern und 30ern.
Dafür lässt Ernst eine Clique aus mehreren Freund*innen eine gemeinsame Sommerwoche in einem Ferienhaus am See verbringen. Die Natur ist idyllisch und als ein Paar der Gruppe verkündet, dass sie noch während der Woche in einer Waldkirche heiraten werden, ist die Freude groß. Scheinbar.
Fast Abend, immer noch hell – es ist noch Zeit, oder?
Denn eigentlich gärt es schon länger in der Gruppe. Mittlerweile haben sich unterschiedliche Lebenspläne herauskristallisiert. Gry und Adam, der zum ersten Mal mit dabei ist, haben bereits Kinder und leben glücklich ein traditionelles Familienmodell. Sylvia ist mit ihrer Freundin Charlie angereist, die sich auch nach mehr Verbindlichkeit und einer kleinen Familie sehnt. Aber Sylvia ist unsterblich in Esben verliebt, der wiederum mit Karen zusammen ist.
Ebenfalls Teil der Gruppe ist Single Kvæde, der ausgelöst vom maskulinen Adam, seine eigene Version von Männlichkeit hinterfragt.
Du siehst, das ist ein munterer Reigen voller bunter Liebeswirrungen und Verstrickungen, verdeckter und offener Sehnsüchte und Lebenskrisen. Ja, auch der Mittsommernachtstraum wird öfter erwähnt, genauso wie andere kulturelle Referenzen. Dabei sind die Liebesverwirrungen und Irrungen nur ein Symptom der Frage, die alle in der Gruppe umtreibt: Gestalte ich mein Leben eigentlich gerade richtig?
Ernst nimmt während des Erzählens verschiedene Perspektiven ein, sodass ich in alle Figuren der Freundesgruppe Einblick bekomme und sie im Laufe des Romans immer besser kennenlerne.
Vor allem Sylvia mit ihrer Wut auf alles Spießbürgerliche und ihrer Angst vor Verbindlichkeit und Verantwortung hat mir viel Spaß gemacht.
“Kreative Kleinbürger. Hat die Geschichte je etwas so Perverses hervorgebracht?”
Ich würde sagen, „Fast Abend, immer noch hell“ ist die genau passende Lektüre für einen ruhigen Sommerabend draußen, wenn es immer noch hell ist.
Vielen lieben Dank an die S. Fischer Verlage für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Linea Maja Ernst für ihren Roman!
Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein





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