Ich mache ja leidenschaftlich gerne Trailrunning, und weil ich einiges an True Crime konsumiere, verfolgt mich immer die leise Angst, dabei auf eine Leiche zu stoßen. Genau das passiert dem Protagonisten Jot gleich zu Beginn des Romans „Zeiten erhöhter Gefahr“ von Julia von Lucadou. Beim Laufen in einem alten Steinbruch stößt er auf die Leiche eines jungen Mannes, den er in verstörender Pose und mit entblößtem Gesäß vor einer Felswand vorfindet.
Der ordnungsliebende Mann, der für eine Firma arbeitet, die Sicherheits- und Bunkeranlagen anbietet, verständigt die Polizei und versucht, nach diesem entsetzlichen Vorfall wieder in seine Alltagsroutinen zurückzukehren.
Die Auffindesituation lässt für Jot keine Zweifel zu. Der junge Mann wurde ermordet. Umso erstaunter ist er, als er vom Bruder des Verstorbenen auf seine Nachfrage hin erfährt, dass dieser Suizid begangen hat und auch ein Abschiedsbrief mit kafkaesken Anspielungen existiert.
Zeiten erhöhter Gefahr – ein Kontrollverlust
Jot kann das nicht glauben und beginnt, eigenen Nachforschungen anzustellen. Währenddessen entgleitet ihm immer mehr die Kontrolle über seinen strukturierten Alltag, und Erinnerungsfetzen aus seiner Kindheit drängen an die Oberfläche.
„Er konnte sich nicht konzentrieren. Etwas war in seinem Schädel aus der Fassung geraten, war lose geworden. Sein Gedächtnis wie überstimuliert und außer Kontrolle.“
Erinnert er sich falsch an die Auffindesituation des Toten? Trifft auf ihn das Phänomen der „False Memory“ zu, von dem ein langjähriger Kunde ihm erzählt? Die Merkwürdigkeiten und Ungereimtheiten beginnen sich zu häufen…
Ich bringe mein Fazit gleich auf den Punkt: „Zeiten erhöhter Gefahr“ war ein ziemlich überraschendes und überragendes Highlight für mich. Ich lese ziemlich viel, und selten erreicht mich ein Roman noch derart, dass ich am ganzen Körper Gänsehaut bekomme. Diesen Roman fand ich nicht nur so spannend wie einen Thriller, er war auch atmosphärisch, vieldeutig und emotional mitreißend. Kurzum, für mich ein perfektes Gesamtpaket.
Und der Schluss des Romans trifft mich mitten ins Herz, sodass es zerbricht.
Für mich einer der schönsten und aufwühlendsten Romane des Jahres.
Vielen lieben Dank an den Hanser Berlin Verlag für das großartige Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Julia von Lucadou für ihren Roman!





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