Brot und Milch von Karolina Ramqvist

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Brot und Milch Karolina Ramqvist

Schon ihre allerersten Kindheitserinnerungen drehen sich um Essen und die schönen und befriedigenden Gefühle, die damit verbunden sind.

Im Verlauf des Romans erzählt Ramqvist die Geschichte eines Kindes und später einer jungen Frau, in deren Leben das Essen schon immer eine sehr wichtige Rolle spielte.

Sie erzählt davon, was der Milchreisauflauf ihrer Großeltern als Kind für sie bedeutete und wie sie später als Erwachsene verzweifelt versucht, den Geschmack ihrer Kindheit für ihre eigene Tochter zu reproduzieren.

„Verzweifelt“ ist dabei das passende Wort, denn das Ringen um den perfekten Geschmack des Milchreisauflaufs und die Reaktion ihrer Tochter ist für die Erzählerin existenziell.

Das Verhältnis der Erzählerin zum Essen wird im Laufe ihres Lebens immer komplexer und auch belasteter. Die Speisen, die im Mittelpunkt ihres Lebens stehen, sind sowohl emotional als auch moralisch komplett aufgeladen und überhöht.

Brot und Milch – wie kann der Hunger gestillt werden?

„Ich weiß nicht, was zuerst kam, ob das Essen dazu geführt hatte, dass ich in mir selbst gefangen war, oder ob ich es schon vorher gewesen war und das Essen nur dazu diente, diesen Zustand zu ertragen. Denn das Essen, oder allein der Gedanke daran, war immer für mich da und gab mir, was ich brauchte. Es lockte und erschreckte mich. Es verfolgte mich und sorgte dafür, dass ich nie richtig frei war, und deshalb freute es mich immer, wenn andere genauso hungrig oder gierig waren wie ich oder zumindest den Anschein erweckten.“

Der Roman von Ramqvist handelt sehr detailliert und sehr introspektiv vom Verhältnis einer Frau zum Essen. Gleichzeitig erzählt er auch davon, wie sich in einer Familie über die Generationen das Verhältnis zu Essen verändert hat. Während die Großelterngeneration noch vom Hunger und den Entbehrnissen der Kriegsjahre geprägt war, leben die Kinder der Erzählerin in einer Gesellschaft voller nahrhaftem Überfluss.

Ich habe den Roman sehr gerne und sehr fasziniert gelesen und die Erfahrungen der Erzählerin mit meinen eigenen abgeglichen. Der Zusammenhang zwischen der emotionalen Aufladung von Essen und der Essstörung der Erzählerin hat mich nachdenklich gemacht. Für mich ist das Kochen für meine Familie (oder eben das Nicht-Kochen) oft mit einem schlechten Gewissen verbunden. Ich fühle mich oft von der ideologischen Verbindung von Essen und (Mutter-) Liebe überfordert und gestresst.

Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein

  • Karolina Ramqvist
  • Brot und Milch Karolina Ramqvist Klappentext

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