FLORA von JONÁŠ ZBOŘIL

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FLORA von JONÁŠ ZBOŘIL

Liest du gerne Weird Fiction? Oder anders gefragt, magst du besondere Romane, in denen du dich wie einem Labyrinth verirren kannst, die dich verschlingen und verwirrt wieder ausspucken?

So ging es mir mit Flora, dem Prosa-Debüt des tschechischen Schriftstellers, Dichters und Journalisten Jonáš Zbořil.

Adam und Sára, ein junges Paar, finden zufällig bei einem Spaziergang in der ländlichen Steppe ein kleines, merkwürdiges, aber lebendiges Wesen. Sie möchten es nicht alleine und hilflos zurücklassen und nehmen es mit in die alte Datsche von Adams verstorbener Großmutter, die in einer fast verlassenen Datschensiedlung in der Steppe liegt. Adam steht dem organischen Wesen sehr zurückhaltend gegenüber, aber Sára, die sehr unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch leidet, kümmert sich liebevoll um das kleine Ding.

Und tatsächlich scheint sich das wurzelige und astige Wesen weiterzuentwickeln, es wächst und zeigt deutliche Anzeichen für ein Bewusstsein. Sie nennen es Flora. 

Adam drängt darauf, die Steppe und die Datsche zu verlassen, ihm ist die Wildnis und das Wesen nicht geheuer. Auch die ältere Nachbarin Ivanka gibt warnende Ratschläge.

Aber Sára geht voll und ganz in der häuslichen Versorgung des kleinen Wesens auf und wird zunehmend zu seiner Beschützerin. Adam versteht seine Freundin immer weniger, seit Flora in ihr Leben getreten ist.

Flora – Magisch realistisch

Es liegt auf der Hand, dass Zbořil in seiner Geschichte Verhaltensmuster aufzeigt, mit denen plötzlich viele junge Elternpaare nach der Geburt eines Kindes konfrontiert sind. Aus zwei werden drei, das dritte unbekannte und völlig hilflose Wesen kann die Dynamiken von Beziehungen komplett verändern, und oft fühlt sich der Vater ausgeschlossen.

Neben dem Aspekt der Elternschaft ist es aber ein anderes Element, das mich in diesem magisch-realistischem Roman besonders fasziniert. Und zwar wie Zbořil die Natur beschreibt, die die Datsche umgibt. Die wilde Steppe, aus der Flora stammt, wirkt rätselhaft und bedrohlich, voller unkontrollierbarer Wucherungen, die alles zu verschlingen drohen. Die Stadt stellt Zbořil dagegen als saubereren, geordneten, aber auch sterilen Gegensatz zur Steppe dar. Die kleine Flora ist ganz undurchschaubares Geschöpf der Steppe, und somit ist es auch Sára. Adam hingegen spürt zwar diese Faszination für das Wilde, Lebendige, aber auch Bedrohung und Angst.

Sehr interessant finde ich auch die Figur der Nachbarin Ivanka und ihre Geschichte. 

Im Laufe des Romans gerate ich immer weiter in den Sog von Zbořils atmosphärischer Geschichte und fühle den Sog der Steppe. Der Schluss ist wunderbar verschlungen, rätselhaft und fantastisch und entlässt mich mit vielen Fragezeichen und Gedanken aus der stimmungsvollen Geschichte.

Ich möchte dich besonders auf die wunderschöne Gestaltung des Buches hinweisen, das auf vielen Seiten mit monochromen, organischen Grafiken von Nikola Janíčková @nikola.taketaketake ergänzt wird.

Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff

  • FLORA von JONÁŠ ZBOŘIL Klappentext

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