Das Buch Mechthild von Julia Koll

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Das Buch Mechthild Julia Koll Rezension

“Das Buch Mechthild“, ein Roman über eine christliche Mystikerin des 13. Jahrhunderts? Ich bin Atheistin, aber mich interessiert es immer, wie die Lebensrealitäten von Frauen zu den verschiedensten Zeiten aussahen, wie sie dachten und für was sie brannten.

Gerade wie die Gedankenwelt einer Frau im Mittelalter ausgesehen haben könnte, entzieht sich komplett meiner Vorstellung.

Ich würde mich dem gerne annähern, nur fehlt mir dazu Möglichkeit, Kreativität und Muse.

Und mein Weg, mir ein für mich interessantes Thema jenseits der Google Recherche zu erschließen, führt eigentlich immer über den Roman.

Julia Koll ist habilitierte Theologin und Direktorin der Evangelischen Akademie Loccum, vermutlich keine Atheistin, hat Literarisches Schreiben studiert und jetzt ihren Debütroman veröffentlicht.

Und in diesem Roman begebe ich mich zusammen mit der Erzählerin auf die Suche nach dem Menschen hinter der Überlieferung der Mechthild von Magdeburg.

Mechthild von Magdeburg ist als Mystikerin bei weitem nicht so bekannt wie beispielsweise Hildegard von Bingen und es gibt nur wenig nachweisbare Eckdaten aus ihrem Leben.

Mitte des 13. Jahrhunderts begann sie über ihre mystischen Erfahrungen zu schreiben und veröffentlichte insgesamt 7 Bücher, die unter dem Titel „Das fließende Licht der Gottheit“ zusammengefasst sind.

“Das Buch Mechthild“

Aber ich möchte mich, genau wie Julia Koll, der Frau dahinter annähern. Möchte mehr über diese Spiritualität erfahren, die Mechthild den Mut verliehen hat, mit ihren leidenschaftlichen Texten a die Öffentlichkeit zu treten, aber auch dazu gebracht hat, ihren Körper zu kasteien.

Aber ist es überhaupt möglich anhand ihrer Texte mehr über Mechthilds echte Persönlichkeit zu erfahren?

Wo verläuft die Grenze zwischen Interpretation und Projektion? Und ist das ein in diesem Zusammenhang eine relevante Frage?

“Sie diktiert mir.

Ich will ihr nicht zu nahe treten.

Ein Versteckspiel. Wo verbirgt sich Mechthild die Echte?”

“Jede Mechthild ähnelt ihrer Schöpferin.”

Ich mag die Mischung aus Text- und Stilformen, die Koll in ihrem Roman verwendet, sehr gerne. Genauso wie Mechthild in ihren Schriften nutzt Koll poetische Textteile ebenso wie Prosa, setzt Dialoge ein, um Inhalt zu vermitteln, genauso wie lyrisch anmutenden Abschnitte.

Neben Original- und aus dem Mittelniederdeutsch übersetzen kurzen Textausschnitten aus dem „Fließenden Licht“ setzt sie erzählende Abschnitte, in denen die Erzählerin die Schauplätze aus dem Leben Mechthilds besucht und mit anderen Mechthildianer*innen spricht. Diese autofiktional wirkenden Abschnitte mischen sich mit fikionalen Passagen und Gedanken aus Mechthilds Leben und lassen die Mystikerin so greifbarer werden.

Und auch wieder nicht. Gleichzeitig bleibt Mechthilds reale und gedankliche Welt durch die lange zeitliche Distanz und unsere unterschiedlichen Lebensumstände verschwommen und schwer nachvollziehbar.

Für mich war „Das Buch Mechthild“ ein sehr lohnenswerter Roman, der mich inhaltlich genauso wie literarische begeistern konnte. Allerdings würde ich ihn wahrscheinlich mehr an Leser*innen weiterempfehlen, die sich thematisch angesprochen fühlen und offen sind für ungewöhnliche und spirituellere Erzählformen.

  • Julia Koll
  • Das Buch Mechthild Julia Koll Klappentext

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