Also zuerst fiel mir beim Lesen des Romans ziemlich schnell auf, dass der Klappentext und die Kurzbeschreibung nicht so wirklich aussagekräftig sind. Natürlich entspricht das beschriebene Szenario mit Eve und Hendrik, die sich nach der Geburt ihres ersten Kindes mit der jungen Juna ein Au-Pair ins Haus holen einem Teil des Inhalts des Romans. Aber eben nur einem kleinen Teil. Es stecken nämlich noch viel mehr Perspektiven und Geschichten in „Brüchiges Plastik“ aber gleichzeitig auch weniger Substanz, als ich mir das gewünscht hätte.
Eve und Hendrik fallen nach der Geburt ihres Wunschkindes Mia in alte, eigentlich als überholt geglaubte Rollenbilder zurück. Denn eigentlich sind Eve und Hendrik natürlich ein modernes Paar und wollen, wie so viele, eine gleichberechtigte Elternschaft leben. Interessant finde ich hier, dass Volk nicht den Fokus darauf legt, warum diese strukturellen Mechanismen immer wieder greifen, oder wie wirkmächtig und aus welchen Gründen das Patriarchat diese Rollenzuchreibung immer weiter aufrecht erhält.
Ihr Roman konzentriert sich mehr darauf, wie Frauen mit diesen Gegebenheiten, die mit Mutterschaft verbunden sind umgehen können und wie sie ihre eigenen Wege finden, um die vorgegebenen, konventionellen Autobahnen zu verlassen.
So versuchen es Eve und Hendrik zunächst mit einem Au-Pair aus Südamerika.
Und Junas Anwesenheit in der kleinen Familie bringt tatsächlich ganz neue Dynamiken mit sich, die die Lebensmodelle aller infrage stellen werden.
Brüchiges Plastik – brüchige Lebensmodelle?
Da der Klappentext hier so wenig vorwegnimmt, möchte ich auch nicht mehr spoilern und nur verraten, dass dieser Handlungsstrang nur die Ausgangsbasis für einen verzweigten multiperspektivischen Plot ist, den Volk wirklich sehr schön mit einem geschlossenen Rahmen umrandet hat, der sich erst ganz am Schluss vervollständigt.
Neben Eve und Hendrik gibt es noch Anthea, Hendriks kinderfreie Kollegin, Aya, Eves Freundin und natürlich Juna.
Da der Roman auch auf mehreren Zeitebenen spielt, bekommt auch Eves ältere Tochter Mia und Eves Mutter Gabriele ein bißchen Erzählzeit.
Auch wenn sich die Zeitebenen wunderbar und stimmig miteinander verweben, waren mir die Perspektiven und Nebenschauplätze zu viel und die einzelnen Geschichten damit zu oberflächlich. Die Kernthemen Liebe und Mutterschaft sind in ihren verschiedenen Variationen und Facetten klar erkennbar, aber mir auch zu flüchtig ausgearbeitet.
Der Roman hinterlässt so bei mir keinen nachhaltigen Eindruck, auch wenn mir sein raffinierter formaler Aufbau und vor allem Einleitung und Schluss besonders gut gefallen haben.
Das Cover und die Gestaltung von Angie Volks zweiten Roman nach ihrem Debüt „Krokodile“ (2021, Atlantik) sind, wie eigentlich immer bei Leykam, ein echter Eyecatcher.
Danke an den Leykam Verlag und die Agentur Wolkenlos für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Angie Volk für ihren neuen Roman!




Schreibe einen Kommentar