Helikopterflüge, Grandhotels mit Infinity-Pools, Champagner. Der Ich-Erzähler in Stefan Sommers neuen, zweiten Roman „Partypeople“ lebt als erfolgreicher Techno DJ das Jet Set Leben der Super Reichen. Und hinter der Fassade der Partypeople: Designerdrogen, Schmerzmittel und Loneliness.
Ein Setting, das mich in Romanen immer wieder unglaublich anzieht. Wahrscheinlich weil ich weder rich noch lonely bin und meine geilste Dröhnung der KoRo Engergy Ball nach dem Long Run ist.
Die Superstars, genauso wie der Ich-Erzähler in „Partypeople“, haben da ganz andere Vorstellungen von Spaß. Es braucht immer neue und dekadentere Kicks, um die innere Leere zu füllen. Die Beats der Techno Musik müssen mit Drogen verstärkt werden, um noch den letzten traurigen Gedanken aus dem Gehirn zu wummern.
Der Ich-Erzähler versucht es sogar mit einer Beziehung. Als er den durchtrainierten Christian mit der scharfkantigen Jawline kennenlernt, wünscht er sich mehr Verbindlichkeit und Nähe. Aber Christian ist mit einer Frau verheiratet und nicht geoutet, sondern ein Darsteller von performativer Männlichkeit.
“Es ist so sad, wenn Männer sich ihres Selbstwertes durch Desinteresse an ihren Mitmenschen versichern müssen.”
Beide sind Meister im Verdrängen von Gefühlen. Haben sie eine Chance, sich näher zu kommen?
Partypeople – Always happy?
Stefan Sommers Roman erfindet den Typus des nach Sinn und Liebe suchenden Mannes nicht neu. Ich denke an „Die imaginäre Nacht“ von Hugo Lindenberg, ich denke an „Lauter“ von Stephan Roiss. „Partypeople“ ist super rasant, spannend und kompromisslos auf den Punkt unserer Zeit erzählt. Ich liebe die von ihm zahlreich verwendeten Anglizismen und nutzte sie selbst ironiefrei und viel, da ich in der deutschen Niederlassung einer amerikanischen Firma arbeite.
Im Rahmen eines Online-Bloggerinnen- und Buchclub Treffens mit dem sympathischen Autor habe ich von ihm erfahren, dass er im Rahmen der Recherche viele Interviews mit DJs geführt hat und die Szene gut kennt, weil er selbst als DJ aufgelegt hat. Auch das Milieu und die teilweise grotesken Dialoge der Superreichen sind nicht etwa überzeichnet, sondern basieren zum Teil auf realen, dokumentierten Aussagen von Zuckerberg und Co.
Auch das der Ich-Erzähler mit seiner getriebenen Hatz um die Welt an das traurige Schicksal von Avicii erinnert, ist kein Zufall, sondern basiert auf Sommers gründlicher Recherche. Das beeindruckt mich sehr und führt zu einem absolut glaubhaften und authentischen Hintergrund, vor dem der Ich-Erzähler seine Geschichte erlebt. Gleichzeitig zeigt Sommer damit gesellschaftskritisch das Gesicht einer vermeintlich gesellschaftlichen Elite, die sich ihre Welt nach ihrem Willen formen kann und bestätigt gleichzeitig die alte Wahrheit, dass man auch mit Geld nicht alles kaufen kann. Oder?
Mich hat „Partypeople“ super gut unterhalten und empfehle dir den Roman gerne weiter, wenn auch du von dekadenten Settings magisch angezogen wirst.
Vielen lieben Dank an den Otto Müller Verlag für das tolle Rezensionsexemplar und die Einladung zum Buchclubtrefffen. Danke und viel Erfolg an Stefan Sommer für seinen neuen Roman!





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