Auf dem Hochseil – Die Kunst der Hingabe von Philippe Petit

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Auf dem Hochseil Philippe Petit

Ich war beeindruckt von dem Schelmenstück des Hochseilartisten und hielt ihn aufgrund seiner Darstellung in der Dokumentation für einen Egomanen und Narzissten (wie es viele Künstler*innen und Bergsteiger*innen wahrscheinlich sind)

Well, diesen Eindruck wollte ich mit „Auf dem Hochseil“ prüfen, aber es ist mir nicht gelungen, denn tatsächlich verrät der Text sehr wenig über den Menschen Petit und viel mehr über die Kunst der Hochseilartistik. 

Oder ist es ein und dasselbe?

Ein bißchen mehr verrät da zumindest das Vorwort von Paul Auster, der nachdem das Manuskript von 18 Verlagen abgelehnt wurde, sich intensiv um eine Veröffentlichung bemühte.

„Ich halte „Auf dem Hochseil“ für ein bemerkenswertes Buch. Es ist nicht nur die erste Untersuchung, die jemals über den Hochseilakt geschrieben wurde, sondern auch ein persönliches Vermächtnis. Man erfährt darin vieles, sowohl über die Kunst als auch die Wissenschaft des Seiltanzens, das Lyrische und das Technische dieses Handwerks. Freilich darf man es nicht als Lehrbuch oder Gebrauchsanleitung missverstehen. Das Tanzen auf dem Hochseil lässt sich nicht lehren: Man lernt es allein. Und mit Sicherheit wäre ein Buch das Letzte, woran man sich wenden sollte, wenn man es wirklich ernst damit meint.“

Obwohl Auster schreibt, man solle das Buch nicht als Lehrbuch oder Gebrauchsanleitung verstehen, ist es genauso aufgebaut. Petit schreibt detailliert von den ersten Übungen des Artisten auf den Seilen, geht ausführlich auf das Seilspannen ein und auf die verschiedenen Techniken der Ausführung.

Auf dem Hochseil – werde ich nie sein…

Auch schreibt Petit viel über die Gedanken des Hochseilartisten während des Überqueren des Seils und seine mentale Praxis. Es ist, wie der Untertitel bereits verrät ein Buch über die Kunst der Hingabe.

Und vielleicht bestätigt sich dann doch mein Eindruck, den ich von Philippe Petit aus der Dokumentation „Man on wire“ gewonnen hatte.

„Das Buch ist also eine Art Parabel, eine geistige Reise in Form einer Abhandlung. Überall ist der Mensch Philippe Petit deutlich spürbar: Es ist sein Drahtseil, seine Kunst, seine Persönlichkeit, die den ganzen Text durchdringen. Niemand sonst hat darin Platz.“

Für mich war „Auf dem Hochseil“ jetzt auf gar keinen Fall ein Must-Read oder auch nur eine Empfehlung. Wer mehr über Philippe Petit erfahren möchte, greift vielleicht doch lieber zu einer Doku oder einem anderen Buch.

Und doch hat das Buch, genauso wie die Hochseilartistik, seine Daseinsberechtigung. Es ist immer eine hoch anzusehende und wertvolle Kunst, mit Unnützem das Publikum zu verzaubern.

„Ich glaube übrigens an nichts. Nur das Unnütze macht mir Freude.“

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller

  • Philippe Petit
  • Auf dem Hochseil Philippe Petit Klappentext

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