Freust du dich schon auf Weihnachten? Oder sind diese Feiertage für dich belastend? Zu sehr verbunden mit enttäuschten Erwartungen, Einsamkeit und dem Gefühl nirgendwo dazuzugehören? Denkst du „Weihnachten ist scheiße“?
Dann bist du nicht allein.
Auch Suki, die junge Figur im gleichnamigen Roman von Salih Jamal, ist alles andere als in Vorweihnachtsstimmung. Seit ihre Mutter ein neues Leben mit einer neuen Familie begonnen hat, lebt sie bei ihrer Oma in einer kleinen Mietwohnung. Dort gibt es zwar aufgewärmtes Essen und manchmal Geborgenheit, aber die große Sehnsucht in Sukis Herz kann das nicht stillen. Sie fühlt sich abgelehnt, einsam und nirgendwo zugehörig.
Auch in der Schule wird sie gemobbt und ausgegrenzt. Von den Lehrkräften interessiert sich niemand wirklich für sie. Genauso wenig wie sich Suki für die Schule interessiert. Außer vielleicht für Frau Fischer.
Anna Fischer ist die andere wichtige Figur, die einige Gemeinsamkeiten mit Suki hat, auch wenn sie das am Anfang des Romans noch gar nicht weiß. Auch sie hat schwere Verluste erlitten und versteckt ihre Verletzungen hinter einer kühlen Oberfläche. Salih Jamal lässt diese beiden Menschen, die am Rande der Verzweiflung dahintreiben mit einem kleinen Unfall aufeinander treffen.
Und dann passiert etwas Magisches: Ein kleiner Moment schafft eine zarte und unwahrscheinliche Verbindung zwischen zwei unterschiedlichen Menschen, die die Kraft besitzt, den Abgrund aus Einsamkeit zu überwinden. Zwei Menschen finden den Mut, miteinander in Kontakt zu treten und einander in Wahrhaftigkeit zu zeigen.
Ich würde auf keinen Fall sagen, dass Salih Jamal hat einen modernen und literarischen Feel-Food-Roman geschrieben hat, weil es absolut absurd wäre, den Namen Salih Jamal und den Ausdruck Feel-Good im selben Satz zu verwenden. Ich versuche es so: Salih Jamal hat einen wunderschönen Roman über Schmerz und Erlösung geschrieben, der perfekt in unsere Zeit passt und uns zeigt, was uns fehlt.
Suki – eine wärmende Weihnachtsgeschichte und so viel mehr
Salih Jamals Figuren fühlen sich lebendig und echt an und er erschafft in seinen Romanen eine Atmosphäre, die du du während des Lesens intensiv in dir fühlen kannst. Das ist nicht immer angenehm, denn manchmal wird es düster und brutal.
Für mich unterscheidet sich „Suki“ deutlich von seinen beiden vorangehenden Romanen. Zwar bleibt er seiner Linie treu und zeigt Menschen die innerlich am Rande der Gesellschaft stehen, die gebrochen sind und sich verlassen fühlen. Und doch finde ich diesen Schmerz in „Suki“ feiner nuanciert, nicht um seiner selbst willen erzählt. Es ist ein Schmerz und eine Einsamkeit, die unserer ganzen Gesellschaft innewohnen und nur von Konsum und einer andauernden Leistungsshow verdeckt werden. Außerdem mochte ich die Dialoge mit leicht philosophischen und politischen Tendenzen und auch den humorvollen Unterton, den vor allem Sukis Freundin Meier mit in die Gleichung einbringt.
„Suki“ wirkt vielleicht oberflächlich betrachtet nur wie eine kleine Geschichte, die von einem kleinen Indie-Verlag veröffentlicht wurde. Aber das Parzival-Thema, das Jamal verwendet und neu erzählt (unschwer schon an dem Namen Anna Fischer zu erkennen) ist ein uraltes und universelles. Es rührt bist heute an unsere Sehnsüchte und hat die Kraft, uns emotional zu erreichen und zu verändern.
Ich möchte dir ganz besonders die Hörbuchversion ans Herz legen, die von der Sprecherin Sabine König ganz verzaubernd eingelesen wurde und mir große Freude gebracht hat.
Vielen Dank, lieber Salih, dass du uns diesen Roman geschenkt hast und dass du für Annas und Sukis Geschichte gekämpft hast. Danke auch für das schöne Rezensionsexemplar und die Hörbuchversion!
Erschienen bei Edition Federleicht.




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