Mein eigenes Leben ist ja objektiv gesehen ziemlich langweilig. Ich bin noch nie weit gereist, war noch nicht einmal außerhalb Europas. Mein jährlicher Besuch der Buchmesse in Frankfurt ist schon das Maximum an Abenteuer und bedarf gefühlt immenser Vorbereitungen.
Kein Wunder, dass ich Reiseberichte aller Art wirklich unglaublich gerne lese. Und am liebsten natürlich abenteuerliche Outdoor-Reiseberichte von Frauen, die sich richtig was trauen.
Sara Pütter ist so eine Frau und ihr Reisebericht „Wasser, Felsen, Wut“ trägt den vielversprechenden Untertitel „Mein Weg zu mir durch Kanadas Wildnis“. Pütters Geschichte ist nämlich nicht nur ein Reisebericht, sondern auch die Geschichte einer persönlichen Entwicklung.
Pütter steht nach ihrem Studium ganz am Anfang ihres Berufslebens und fühlt sich zunehmend frustriert von den verkrusteten Strukturen unserer unflexiblen Gesellschaft. Die klassische Arbeitswelt mit ihren starren Arbeitszeiten und Hierarchien lässt ihr wenig Raum für Kreativität und Weiterentwicklung. Und auch nicht für Abenteuer.
Pütters Schwester ist schon als kleines Kind gestorben und das Bewusstsein für die Endlichkeit des Lebens hat sich bei ihr früh eingeprägt.
„Ich habe meine Kindheit überlebt, und deshalb muss ich immer weiterkämpfen, darf niemals aufgeben und muss meine Talente so gut wie möglich nutzen. Das ist meine Bürde und meine Bestimmung.“
Pütter kauft ein One-Way Ticket nach Vancouver und lässt alles hinter sich. Sie möchte Freiheit und Abenteuer.
Wasser, Felsen, Wut – in dieser Reihenfolge
Auf ihrer Reise durch Kanada schließt sie überraschende Freundschaften, aber macht auch unangenehme Bekanntschaften. Mit Männern.
Sie lernt den wesentlich älteren Jack kennen, einen schweigsamen und erfahrenen Wildnisgänger und Jäger, und beginnt eine Beziehung mit ihm. Als er ihr anbietet ihn und seinen Neffen auf einen längeren Trip durch die Wildnis British Columbias zu begleiten, sagt sie zu.
Die Beschreibungen des sich anschließenden Outdoor-Abenteuers haben mir unheimlich gut gefallen und ich bin Pütter aufgeregt in die Natur gefolgt. Pütter erzählt von den Details und Schwierigkeiten der Reise genauso wie von den Dynamiken in der Beziehung zwischen ihr und den beiden Männern, die sie begleitet. Und sie erzählt natürlich von der unendlichen Weite der unberührten Natur, in der sie sich bewegen und deren Elementen sie völlig ausgeliefert sind.
Pütter realisiert außerdem, dass sie nicht nur der Natur völlig ausgesetzt ist, auch von Jack ist sie völlig abhängig, was für ein ungleiches Machtverhältnis in der kleinen Gruppe sorgt.
Pütter, die heute als freiberufliche Künstlerin, Illustratorin und Grafikdesignerin arbeitet, schreibt in ihrem Buch sehr ehrlich über ihre Gefühle, über die Beziehung zu Jack und was die Reise für ihre persönliche Entwicklung bedeutete.
Ich bin dankbar, dass Pütter ihre Geschichte aufgeschrieben hat und mich so daran teilhaben ließ. Ich habe die abenteuerlichen Leseauszeiten, die mir das Buch geschenkt hat, sehr genossen.
Wenn du auch gerne autobiographische Reiseberichte liest, ist „Wasser, Felsen, Wut“ auf jeden Fall eine Empfehlung für dich.
Der Reisedepeschen Verlag ist sowieso eine empfehlenswerte Adresse für ungewöhnliche und besondere Bücher und immer einen Blick wert. Danke an den Verlag und Kirchner Kommunikation für das wunderbare Rezensionsexemplar.
Danke und noch viel Erfolg an Sara Pütter für ihr Buch!




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