AUSREDEN von Florian Klenk

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Ausreden Florian Klenk

Elfriede Blauensteiner  – Ein Bekenntnis

„Ausreden“ hat quasi sofort mein Interesse geweckt. Ich MUSSTE es lesen. Und als ich es dann in der Hand hatte, MUSSTE ich es in einem Zug lesen (was leicht möglich war, dank geringer Seitenzahl und großzügiger Setzung).

Florian Klenk, österreichischer Jurist und Journalist, hat den Fall und das Leben Blauensteiners akribisch recherchiert und mit vielen intensiven Gesprächen und Akteneinsicht aufgearbeitet.

Der erste Teil des Buches besteht aus einem Monolog Blauensteiners, den Klenk aus protokollierten Aussagen redigiert und verdichtet hat.

Dieser Monolog geht mir unter die Haut. 

„Ich hatte sechs Geschwister.

Es war nie ein gutes Verhältnis zu den Geschwistern.

Es war nie ein gutes Verhältnis zur Mutter.“

Blauensteiner erzählt von einer harten Kindheit, die von Schlägen, Hunger und Lieblosigkeit geprägt war. Einer Kindheit, in der sich keine Empathie entwickeln konnte. Auch als erwachsene Frau sind ihre  Beziehungen voller Gewalt. Aber über ihre Verbrechen spricht sie nicht, sondern findet Ausreden und Entschuldigungen.

Habe ich nach diesem Monolog Mitleid mit dieser Frau? Ja, natürlich habe ich das.

Oper und Täterin

Umso wichtiger finde ich den zweiten Teil des Buches, in dem Klenk den Monolog einordnet und mit den überprüfbaren historischen Daten in Blauensteiners Lebenslauf und mit ihren nachgewiesenen Verbrechen abgleicht. Auch die Sichtweise ihrer Tochter Monika, mit der Klenk stundenlange Gespräche geführt hat wirft ein hartes Licht, auf die Frau, die von ihrer Mutter gequält wurde, aber auch später ihre eigene Tochter sadistisch quälte. Und Klenks Nachrede ist knapp, aber aussagestark und ausgewogen, wie ich finde. 

„Sie war das Produkt eines kalten Jahrhunderts. Sie, die als Kind Opfer war – schwach, hungrig, gedemütigt -, ermächtigte sich und machte sich die Schwachen untertan. Nicht wegen einer psychischen Erkrankung, sondern aus sadistischer Gier. Und diese Gier, so sehr sie uns abstößt, war wohl auch eine Spätfolge jener frühen Jahre voller Entbehrung und Angst.“

„Ausreden“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Das Buch gehörte für mich zu den frühen Highlights des Jahres.

  • Florian Klenk
  • Ausreden Florian Klenk Klappentext

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