Das Knaller Cover und dann der Titel „Karacho“ schreien beide: in diesem Roman geht es ab!
zu meiner großen Überraschung fand ich dann in dem Roman gar nicht so viel Knalleffekt, wie ich vielleicht gehofft hatte, sondern eigentlich vielmehr die ruhig und fast nachdenklich erzählte Geschichte einer Trennung und einer Findung. Es geht in „Karacho“, wie Susanne Schirdewahn selbst in einem Instagram Beitrag erzählt, zum einen um eine Frau, die verlassen wird und sich neu definiert. Zum anderen darum, das Leben kennenzulernen und mit absoluter Intensität all das zu leben, was nicht möglich scheint.
Und der Ich-Erzählerin Kira scheint erstmal vieles nicht möglich, nachdem sie von ihrem Mann, mit dem sie seit 20 Jahren verheiratet ist, verlassen wird. Für eine andere, jüngere.
„Atem ein. Aus. Sie hat einen Namen. Und sie ist blond.“
Für die Erzählerin bricht eine ganze Welt zusammen. Das Ehepaar hat zwei gemeinsame Kinder im Teenageralter, und eigentlich hatten sie viele gute gemeinsame Jahre und viele geteilte Erinnerungen. Für Kira scheint es, als wäre das nichts wert gewesen und der Liebeskummer trifft sie hart.
“Ich liebe ihn. Immer noch. Ich habe das zwanzig Jahre lang trainiert. Jede einzelne meiner Zellen hat seine Wünsche abgespeichert. Das klingt hart. Habe ich nach seinen Wünschen gelebt?”
Doch in den Wochen und Monaten nach der Trennung verändert sich langsam etwas bei der Erzählerin. Sie trifft sich mit anderen Männer, hat viele lustvolle Begegnungen.
Sie überlegt sich, wer sie eigentlich ist. Und was sie von Männern noch braucht.
Schirdewahn lässt ihre Protagonistin nicht nur von ihrer Wut und ihren Selbstzweifeln, sondern auch von der Fragilität einer Künstlerexistenz. Denn Kira ist Malerin, eine recht erfolgreiche sogar, und muss trotzdem zusätzliche Jobs annehmen. Auch ihr Ex-Mann ist in einem kreativen Beruf tätig und es war nie genug Geld für Wohneigentum oder Vermögensaufbau vorhanden. Ist es auch in dieser Hinsicht Zeit für eine Neuorientierung?
“Ich wollte nie etwas nicht dürfen. Ich wollte: alles. Familie, meinen Mann, meinen Liebhaber, eine Künstlerin sein, die nach allen Möglichkeiten greift, eine wilde Boheme-Welt um sich herum schafft.”
Ich persönlich hatte an “Karacho” durch Cover und Titel bedingt vielleicht die falschen Erwartungen. Irgendwie dachte ich an eine ähnlich wilde Trennungsgeschichte, wie sie mich in „Frau Fünf“ von Juliane Baldy so begeistert hat, und war dann angesichts des (in meinen Augen) mehr sinnbildlich als wörtlich zu verstehenden Karachos etwas ernüchtert.
Aber „Karacho“ ist wesentlich mehr grounded und realitätsbezogener und enthält keine überspitzten oder satirischen Elemente, was den Vergleich der beiden Romane eigentlich unzulässig macht.
Vielen lieben Dank an den unabhängigen Voland & Quist für das wunderschön silberne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Susanne Schirdewahn für ihren Roman!




Schreibe einen Kommentar