Ich mag ja manchmal schon diese ganz besonderen Romane lesen. Romane, die mich fordern, die mich verzaubern, die mich in eine bestimmte Stimmung versetzen, die mich regelrecht entrücken können. Romane, die dafür auch genau die richtige Länge haben, damit ich nicht überfordert bin.
Die Schweizerin Hannah Brutschin hat mit „Arten, auszuarten“ so einen Roman geschrieben.
Yael, die Ich-Erzählerin, stellt darin bei ihrem Lebensgefährten Zev plötzlich merkwürdige Veränderungen fest. Die manifestieren sich erst ganz subtil, aber zunehmend konkreter. Seine ruhige Persönlichkeit verändert sich und er hat unbändigen Hunger auf rohe Eier und Fleisch. Auch körperlich verändert sich Zev beunruhigend (hast du den Film „Black Swan“ gesehen?). Das Paar zieht sich in eine Ferienwohnung in den Schweizer Bergen zurück, doch Zevs Metamorphose schreitet voran.
„Arten, auszuarten“ ist nur ein kurzer Roman (100 Seiten), aber er fasziniert mich mit seiner besonders zeitlich verschachtelten Erzählweise. Brutschin erzählt auf magisch-realistische Weise von dem Gefühl, wenn der Partner beginnt, sich besorgniserregend zu verändern. Eine Situation, in der sich ein Paar beim gemeinsamen Älterwerden durchaus wiederfinden kann. Und dann?
Ich mag auch super gerne diese Geschichten, von Menschen, bei denen der wilde Aspekt ihrer Persönlichkeit allmählich die Kontrolle über ihr sozialisiertes Selbst gewinnt. Ich denke an „Angsttier“ von Lola Randl oder „Die Harpyie“ von Megan Hunter. Brutschin beschreibt diesen Vorgang aus der Perspektive von außen.
Ein Roman, der sich mir beim Lesen nicht gleich vollständig erschließt und mich zum Denken anregt, was ich in diesem Fall gerne getan habe.
Ich bin wirklich großer Fan der Auswahl des kleinen, unabhängigen Schweizer Verlags lectorbooks, der sich eigener Aussage nach ganz der ungezähmten Literatur verschrieben hat. „Arten, auszuarten“ ist ein Titel, der dazu perfekt ins Programm passt.
Vielen lieben Dank an lectorbooks für das schöne Rezensionsexemplar und an Kirchner Kommunikation für die Vermittlung. Danke und viel Erfolg an Hannah Brutschin für ihren Roman!




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