Stell dir vor, du schaltest die neueste Netflix-Serie ein, die dir der Algorithms auf Platz 1 deiner Watchlist gespült hat, und stellst fest: shit, das ist genau mein Leben! Besser gesagt, deine Ehe. Genau das stellt auch Kate aus John Lanchesters neuem Roman „Das habe ich wegen dir getan“ fest.
In der neuen, vom Publikum wie vom Feuilleton gefeierten Erfolgserie der jungen Drehbuchautorin Phoebe erkennt sie sich und ihren Ehemann Jack eins zu eins wieder. Sogar wortwörtliche Dialoge und ganz bestimmte Details aus ihrem intimen Liebesleben sind plötzlich für alle Welt auf den Screens zu sehen.
Und dabei kämpft sich Kate gerade aus einem tiefen Loch der Trauer, seit sie ihren Ehemann Jack überraschend tot in ihrem Badezimmer gefunden hat. Hatte er vor seinem Tod eine Affäre, die die kompromittierenden Details weitergegeben hat? Die junge Drehbuchautorin Phoebe hingegen schwimmt auf der Welle des Erfolgs. Zumindest nach außen hin. Aber eigentlich wünscht sie sich nur die Liebe und Bestätigung ihrer narzisstischen Mutter.
Es sind die zwei Perspektiven von Kate und Phoebe, aus denen Lanchester im Wechsel seine Geschichte erzählt. Lanchester ist ein hoch renommierter und preisgekrönter britischer Schriftsteller, und es ist fast sicher, dass du mit einem seiner Werke entweder in Buchform oder als Verfilmung schon in Kontakt gekommen bist.
Das habe ich wegen dir getan – was du nicht sagst
Mir hätte „Das habe ich wegen dir getan“ vielleicht vor 15 Jahren noch ganz gut gefallen und ich hätte ihn als nette Spannungsliteratur eingeordnet. Heute wirken der Plot und die Figuren auf mich allerdings ziemlich aus der Zeit gefallen und leicht angestaubt. Ich denke schon, dass Lanchester es darauf angelegt hat, unkonventionelle und raffinierte Frauenfiguren zu erschaffen. Der Klappentext nennt es eine „funkenschlagende Rachekomödie“, aber ich fürchte, darunter hatte ich dann doch andere Vorstellungen, v.a. weil meine funkenschlagende Lektüre von „Honey“ von Imani Thompson erst kurze Zeit zurückliegt. Vielleicht bin ich auch komplett abgstumpft, aber „düster“ und „wunderbar fies“ sind in meinen Augen nicht die passenden Adjektive für den Roman, und wären es für mich auch nicht vor 15 Jahren gewesen.
Dass der Roman die Leser*innen mit unerwarteten Plottwists überraschen soll, kann ich mir auch nicht vorstellen, denn es gibt sie in meinen Augen nicht. Das Figurenkabinett ist ziemlich überschaubar und was miteinander zusammenhängt und wie die Motivlage ist, liegt eigentlich offensichtlich auf der Hand.
Auch psychologisch geben die Figuren und der Plot in meinen Augen zu wenig her. Zwar gibt es einen oberflächlich ausgeleuchteten Generationenkonflikt, der sich aber nur in stereotypen Frauenfiguren niederschlägt, statt in einer gesellschaftskritischen Analyse.
Für wen könnte der Roman trotzdem was sein? Wenn du Serien im Netflix-Style magst, könnte dir der filmische und detailreiche Erzählstil Lanchesters durchaus zusagen und auch wenn du gerne beispielsweise Bücher im Stil von Michael Robotham liest, allerdings mit Abstrichen beim Spannungsaspekt.
Für mich blieb „Das habe ich wegen dir getan“ leider nur eine nette Lektüre für zwischendurch.
Vielen lieben Dank an den Klett Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an John Lanchester für seinen neuen Roman!
Aus dem Englischen von Dorothee Merkel





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