Nach der Übersetzung des Romans „Das Loch“ hat der Rowohlt Verlag jetzt auch den 2013 erschienenen Debütroman „Die Fabrik“ der japanischen Schriftstellerin Hiroko Oyamada von Nora Bierich übersetzten lassen.
Mich faszinierte der surreale und abstrakte Schreibstil schon in „Das Loch“. Thematisch hat mich auch „Die Fabrik“ wieder sehr angesprochen.
Das Verhältnis zwischen Mensch und moderner Arbeit steht in diesem Roman im Mittelpunkt. Das ist auch in meinem Leben ein Thema, das mich sehr beschäftigt.
Obwohl ich als Bauingenieurin eigentlich an ziemlich konkreten Projekten arbeite und vom Prozess bis hin zum fertigen Werk einen direkten Bezug habe, erscheinen mir die Firmenstrukturen und bürokratische Prozesse oft absurd.
In größeren, industriellen Fertigungsbetrieben (oder in Ämtern) wird die Entkoppelung der eigenen Tätigkeit von der Sinnhaftigkeit des Tuns von den Arbeitenden bestimmt noch wesentlich stärker empfunden.
In Oyamadas Roman ist „Die Fabrik“ ein unüberschaubar großer Komplex, von dem keiner mehr weiß ob und was er eigentlich herstellt. Oder wessen Zweck er eigentlich dient. Anhand dreier unterschiedlicher Figuren, die in der Fabrik unterschiedliche Arbeiten erledigen, zeigt Oyamada die Absurdität und Surrealität einer modernen Arbeitswelt.
Ein hoch qualifizierter und hochbezahlter Moosforscher wird beispielsweise eingestellt, mit unklarer Beschreibung seines Tätigkeitsfelds und ohne konkrete Zielvorgabe. Obwohl sein Job somit eigentlich absolut stressfrei und sorgenfrei ist, ist er nicht glücklich. Eine junge Frau, die eingestellt wurde um im Untergeschoß Akten zu schreddern, wird ausgesprochen schlecht bezahlt und hat merkwürdige Arbeitskolleg*innen. Sie fragt sich, ob so jetzt der Rest ihres Lebens aussehen wird. Und ein Korrekturleser fragt sich, ob ein übersehener Fehler wohl schwerwiegende Konsequenzen haben könnte. Oder ob das alles vielleicht nur ein großer Test seiner Arbeitsbereitschaft ist.
Wem dient „Die Fabrik“?
Ich würde ja sagen, dass Oyamada „Die Fabrik“ und die Arbeitssituationen ihrer Figuren überspitzt darstellt, aber 20 Jahre in der Arbeitswelt mit unterschiedlichen Stationen lassen mich anders empfinden.
Wie schon in „Das Loch“ gefällt mir diese surreale und befremdliche Atmosphäre, die Oyamada in ihren Romanen erschafft. Auch die Andeutungen von Verknüpfungen unter ihren drei Figuren und die Symbolik der schwarzen Vögel hat mir ziemlich gut gefallen. Natürlich ist Oyamada nicht die erste Autorin, die über die Absurdität und Entfremdung in der modernen Arbeitswelt schreibt, aber in dieser Destillation und Atmosphäre doch bestimmt besonders.
Da die von ihr vorliegenden übersetzten Romane im Original bereits 2013 und 2014 erschienen sind, hoffe ich doch, dass ihre aktuellen Arbeiten jetzt vielleicht auch bald ins Deutsche übertragen werden.
Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das gewünschte Rezensionsexemplar.
Aus dem Japanischen von Nora Bierich





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