Wie hat Joanna Bator das gemacht? Ich kann dir nicht sagen, welche Geschichte in „Die Flucht der Bärin“ erzählt wird oder dir gar eine Inhaltsbeschreibung liefert. Ich war beim Lesen ziemlich verwirrt und konnte gleichermaßen nicht aufhören, weiter in das Dickicht von Bators Prosa vorzudringen.
Denn „Die Flucht der Bärin“ zu lesen fühlte sich für mich an, wie durch ein rätselhaftes Labyrinth zu laufen, die Orienterierung schon lange verloren zu haben und doch wissen zu wollen, was hinter der nächsten Ecke auf mich wartet. Vielleicht der Ausgang oder doch eher das Zentrum des Labyrinths?
In ihrem neuen Buch verknüpft die polnische Schriftstellerin, Publizistin und promovierte Kulturwissenschaftlerin Joanna Bator 16 Erzählungen zu eben jenem rätselhaften Labyrinth. Ich bin überaus fasziniert, als ich beim Lesen die ersten Querverbindungen und Beziehungen entdecke.
Die Geschichten selbst sind meist düster und melancholisch, viele verzaubern mit magischem Realismus.
Da ist der Besuch einer sprechenden Schildkröte, die Trauer absorbiert , destilliert und damit ihren Panzer härtet. Eine Frau, die verwaiste Fledermäuse aufzieht und sich allmählich selbst in eine Fledermaus zu verwandeln scheint. Eine Frau ist fieberhaft und obsessiv auf der Suche nach einer neuen Immobilie für sich und ihren behinderten Sohn. Oder flieht sie nur vor der Realität?
Die Flucht der Bärin
Und immer wieder taucht das rätselhafte Hotel Sudety auf, mal verlassen, mal bewohnt. Bators Figuren sind einsam und leben oft am Rande der Gesellschaft, sind Ausgestoßene oder traumhaft Verrückte? Viele Geschichten drehen sich um Verlust, Trauer und Schuld, es sind dunkle, schwere Geschichten.
Und die Geschichten sind miteinander verknüpft auch wenn sie auf verschiedenen Zeitebenen spielen. Ich kann vermutlich bei weitem nicht alle Verbindungen erkennen und zuordnen, zu komplex ist der Aufbau dieses raffinierten Labyrinths.
Die von Bator darin geschaffene Atmosphäre ist grandios düster und melancholisch, so dass ich mich gerne darin verlaufen habe.
Ich empfehle auch dir einen Besuch darin!
„Ich verspürte Schmerz und Ekstase, Begehren und die völlige Freiheit von Begehren, tiefste Trauer und kindliche Fröhlichkeit, Entzücken und Verzweiflung über die Vergänglichkeit.“
Vielen lieben Dank an den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem schönen Cover. Danke und viel Erfolg an Joanna Bator für ihr neues Buch!
Aus dem Polnischen von Lisa Palmes





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