Auch dieser Roman mit dem wunderschönen Cover lag jetzt länger ungelesen bei mir zu Hause, obwohl mich der Titel „Die Kriegerin“ schon länger super neugierig gemacht hat. Hach ja, ich wünsche mir bitte ein Lese-Sabbatical…
Auch auf die Autorin, die mit ihrem Debüt „Milchzähne“ für einige Literaturpreisnominierungen und einiges Aufsehen gesorgt hatte, war ich super gespannt. Und bin es jetzt, nach der Lektüre von „Die Kriegerin“ eigentlich fast noch mehr. Denn „Die Kriegerin“ war ein super spannender und emotionaler Roman.
Bukowski erzählt aus der personalen Perspektive von Lisbeth, einer jungen Frau, die gerade Mutter geworden ist. Das ist sie zumindest auf den ersten Seiten, denn Lisbeths Geschichte wird über einen längeren Zeitraum erzählt. Gleich zu Beginn kann ich lesen, wie die junge Mutter ihren Freund und ihr Kind verlässt, sich erst eine Auszeit in einem Bungalow an der Ostsee nimmt, um dann für einige Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff als Floristin anzuheuern.
Klar ist, Lisbeth ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor der Nähe und der Liebe ihrer kleinen Familie, vor dem Gebrauchtwerden durch ihre Tochter. Und am meisten auf der Flucht vor sich selbst.
Wie ist aus Lisbeth diese verlorene Frau geworden, die am liebsten jemand anderes wäre?
In Rückblicken erfahre ich mehr über Lisbeths Vergangenheit und dem prägendsten Menschen in ihrem Leben: Die Kriegerin.
Wer ist „Die Kriegerin“?
Die beiden Frauen lernen sich bei der Grundausbildung bei der Bundeswehr kennen und werden beste Freundinnen. In der Kriegerin findet Lisbeth Stärke und Selbstbewusstsein, die sie bewundert. Die gegenseitige Bindung zwischen den Frauen ist stark.
Doch auch die Kriegerin trägt Verletzungen und Vernarbungen in sich, lebt ein riskantes Leben, ohne wirklich Beziehungen einzugehen.
Erst spät im Roman, als das Kennenlernen von Lisbeth und der Kriegerin beschrieben wird, erfahre ich deren echten Namen und mehr über ihr äußeres Erscheinenungsbild. Ich bin komplett überrascht. Die Frau, die mir als Kriegerin vorgestellt wurde, hatte ich mir komplett anders vorgestellt.
So setzt sich nach und nach aus den Zeitsprüngen, Begegnungen und den Puzzleteilen die Geschichte der beiden Frauen zusammen. Zwei Frauen, die versuchen aus ihrer Kapsel der Angst, Wut und gewollter Einsamkeit auszubrechen und sich gegenseitig Halt zu geben.
Bukowski schreibt sehr spannend, ich will immer wissen, wie es mit den beiden Frauen weitergeht, wie sie ihr Leben gestalten. Die Atmosphäre der Geschichte ist melancholisch und traurig, aber nicht düster. Einige der dramatischen Zuspitzungen auf den letzten Seiten waren für mich überflüssig und unnötig, aber der Schluss hat es emotional in sich und gibt mir auch nach dem Beenden des Romans noch einiges zum Nachdenken.
Jetzt freue ich mich auf den neuen Roman „Wer möchte nicht im Leben bleiben“ von Helene Bukowski, der im Februar bei claassen (Ullstein) erscheinen wird.
„Die Kriegerin“ erschien 2022 bei Blumenbar der Aufbau Verlage





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