Bist du schon mal im Winter draußen geschwommen? Also so richtig im kalten Wasser?
Wenn ja, was waren deine Gedanken dabei?
Ich bin noch nie im Winter draußen geschwommen (ich laufe lieber im Winter draußen) und habe vor Menschen, die sich dazu überwinden können, großen Respekt.
Und eine Winterschwimmerin steht im Zentrum von Marion Poschmanns neuer Verslegende. Marion Poschmann ist eine deutsche Autorin, die Lyrik und Prosa schreibt, bereits auf ein umfangreiches Werk zurückblicken kann und für unzählige Literaturpreise nominiert und ausgezeichnet wurde. Ich hatte bis jetzt zu viel Respekt vor ihrer anspruchsvollen Literatur, als dass ich zu einem ihrer Bücher gegriffen hätte. Aber als ich die Hörbuchausgabe von „Die Winterschwimmerin“ auf der Shortlist des Deutschen Hörbuchpreises für die beste Interpretin entdeckte, wagte ich es doch.
Die Winterschwimmerin heißt Thekla und ist über eine Freundin zum Schwimmen in kalten offenen Gewässern gekommen. Seitdem betreibt sie das Eisbaden mit großer Regelmäßigkeit und Hingabe. Eine Beschäftigung, die für viele noch als geradezu obszön unkonventionell angesehen wird, gerade bei Frauen. Doch Thekla gibt nichts auf die Meinungen der Zuschauer*innen, im kalten Wasser fühlt sie sich unbesiegbar und frei.
In die Freiheit möchte auch ein Tiger, der aus dem Zoo ausbricht. Poschmann inszeniert ein faszinierendes Zusammentreffen der beiden Lebewesen, die gleichermaßen nach Autonomie und Begegnung streben.
Ganz ungewöhnlich finde ich die stilistische Mischung, mit der Poschmann ihren Text verwebt. Da sind Prosa Passagen, die klar erzählen, da sind Verse, die sich reimen, da sind abstraktere Textfragmente, die gedeutet werden können. Oder die ganz schlicht einladen sich an ihrem Klang zu erfreuen.
Die Winterschwimmerin – ein Erlebnis
Definitiv ist das Hörbuch auch für mich als Vielhörerin ein besonderes und experimentelles Erlebnis. Es ist nur 100 Minuten lang und kein Hörbuch, das sich für eine schnellere Abspielgeschwindigkeit anbietet. Das Vergnügen liegt gerade im konzentrierten Zuhören und im Erleben der poetisch fließenden Zeilen und Verse.
Der Klangrhyhtmus von Poschmanns Text wird perfekt vom wunderbaren Vortrag der Sprecherin Marit Beyer verstärkt und ermöglicht mir ein völliges Eintauchen und tiefe Kontemplation.
Für mich genau das Richtige für einen langen, ruhigen Spaziergang im Schnee.
Das Hörbuch erschien bei Der Diwan Hörbuchverlag, den ich schon länger sehr für seine hochwertigen und literarischen Hörbücher, die sich vielleicht ein bißchen abseits des Mainstreams befinden, schätze.
Danke an den Verlag und an NetGalley für das Zurverfügungstellen des digitalen Hörexemplars. Und natürlich weiterhin viel Erfolg für das Hörbuch und den Hörbuchpreis!




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