Gotico salentino von Marina Pierri m

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Gotico Salentino Marina Pierri

Liebhaber*innen von Geister- und Gruselgeschichten aufgepasst: „Gotico salentino“ ist eine handfeste italienischen Gespenstergeschichte. „Eine atmosphärische, feministische Neuerzählung der klassischen Gothic-Literatur“ steht auf dem Klappentext.

Dass ich da auch neugierig wurde, geschenkt. 

Marina Pierri erzählt ihren Debütroman aus der Ich-Perspektive der gescheiterten Journalistin Filomena Quarta. Als ihr Vater stirbt, zieht sie zurück in ihr Heimatdorf Palude, wo sie dessen großräumige Villa, die Dimora Quarta, in ein Gästehaus umbauen will.

Es gibt nur ein klitzekleines Problem: Es scheint in der Villa zu spuken. Filomena gehört nämlich seit ihren Kindertagen zu den Menschen, die die Geister von Verstorbenen sehen können.

Und jetzt begegnet ihr in der Dimora Quarta der Geist von Orlando Trispét, einer verfluchten Nonne, auf angsteinflößendste Weise wieder.

Je länger sie in der Villa lebt und Nachforschungen zur Vergangenheit betreibt, desto mehr vermischen sich ihre Geisterwahrnehmungen mit dem Aberglaube und den Mythen der Region.

“Seitdem ich hier bin – das sagte ich ja bereits -, frage ich mich, was von meinen Erinnerungen real ist und was Aberglaube oder Einbildung.”

Neben dem Umbau der Villa arbeitet Filomena außerdem parallel an ihrem Romanprojekt über Mary Shelley und Jane Williams. Sie möchte den verkannten Frauen, über die viele Falschinformationen im Umlauf sind, zur nachträglichen Geltung verhelfen.

Gotico solentino – eine feministische Geistergeschichte?

“Vegetarismus, freie Liebe, Anarchie und Rebellion waren für die Shelleys und ihre Freunde an der Tagesordnung. Und es ist mein Vorhaben, diesen Ansichten den avantgardistischen Glanz zu verleihen, der ihnen gebührt.”

Passenderweise erscheint ihr bald auch der Geist von Mary Shelley, um ihr sowohl mit dem Manuskript als auch mit Erkenntnissen zu Orlando Trispét zu helfen.

Und das wird nicht der einzige Geist aus der Vergangenheit bleiben…

Wie es sich für einen Schauerroman gehört, verfasst Pierri ihren Roman als Geschichte aus zweiter Hand in Form eines Brief- bzw. Email-Romans. So was gefällt mir schon immer sehr gut und macht das Ganze meiner Meinung nach sehr unterhaltsam.

Auch mit den Informationen zu Mary Shelley und Jane Williams, die Pierri in „Gotico salentino“ einbaut, kann der Roman auf ganzer Linie bei mir punkten.

Allerdings muss ich anmerken, dass der Roman nicht ganz so schauerhaft ist, wie ich mir das vielleicht gewünscht hätte. Das liegt meiner Meinung nach an der etwas holprigen und uneindeutigen Ausarbeitung der Szenen mit mehr Handlung, denen ich im Ablauf leider oft kaum folgen konnte. Weiterhin fehlte es der Ich-Erzählerin und den vielen Nebenfiguren an psychologischer Tiefe. Was ich für einen reinen Gespensterroman absolut in Ordnung fände, in einer feministischen Neuinterpretation aber doch gern mehr gelesen hätte. Ich persönlich mag es auch nicht besonders gerne, wenn noch eine eigentlich unnötige und nur am Rande stattfindende Liebesgeschichte mit in die ohnehin schon volle Plotline gequetscht wird. 

Außerdem freut mich allein Pierris Widmung des Romans an alle Frauen, „deren Andenken in Vergessenheit geraten ist, doch voller Zorn und Zärtlichkeit weiterbesteht.“

  • Marina Pierri
  • Gotico Salentino Marina Pierri Klappentext

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