HEIMAT von Hannah Lühmann

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Heimat Hannah Lühmann Rezension

Der neue Roman „Heimat“ von Hannah Lühmann hat mich in vielerlei Hinsicht thematisch sofort angesprochen. Das tolle Cover schadet natürlich auch nicht.

Ich fand, dass „Heimat“ meine Erwartungen nach dem vielversprechenden Klappentext und dem Blurb von Daniela Dröscher gut getroffen hat!

Lühmanns Protagonistin Jana ist mit ihrem dritten Kind schwanger. Überfordert davon, die zwei Kinder und die neue Schwangerschaft mit ihrer Berufstätigkeit zu vereinbaren, hat sie impulsiv ihren Job gekündigt.

Jetzt hätte sie zwar theoretisch mehr Zeit, aber die Finanzen sehen schlecht aus.

Das lässt sie auch ihr Freund Jonah spüren, mit dem sie erst ein Haus in einer ländlich gelegenen Neubausiedlung gekauft hat.

Das Paar ist nicht mehr glücklich.

„Was vielversprechend geklungen hatte, stellte sich mehr und mehr als ein Albtraum der Spießigkeit und Langeweile heraus.“

Jana sucht nach Anschluss in ihrer neuen Nachbarschaft und kommt schließlich zufällig mit Karolin in Kontakt.

Die unkonventionell wirkende junge Frau hat fünf kleine Kinder und ihr Lebensstil ist alternativ, um nicht zu sagen völkisch inspiriert. Auf ihrem Instagram Account inszeniert sie sich als rechtsgerichtete „Tradewife“, teilt Apfelkuchenrezepte neben spirituellen und esoterischen Lebensweisheiten.

Jana ist von Karolins Lebensstil und ihrer Familie extrem fasziniert und schließt sich der selbstbewussten Frau und ihrer Gruppe an.

„In Karos Welt gab es überhaupt nichts, das sich nicht durch einen Aufenthalt im Wald oder eine Apfeltarte klären ließ. Jana spürte eine große Sehnsucht in sich.“

Dabei vermeidet Lühmann selbst Vereinfachungen und legt die Figuren von Karoline und ihren Freundinnen ambivalent an. Unsere Gesellschaft lässt gerade junge Familien und Mütter allein mit der Aufgabe,  den Anforderungen einer immer komplexeren Welt und einem Arbeitsleben gerecht zu werden.

Der Wunsch nach einer klaren Aufgabenverteilung und Benennung ist nachvollziehbar. Lühmann zeigt allerdings auch, wie der Wunsch nach der vermeintlich einfacheren Welt von Rechten oft für ihre Hetze gegen alles, was nicht in ihr Weltbild passt, instrumentalisiert wird.

Auch Jana merkt, wie sie sich unter dem Einfluss und dem Vorbild von Karoline verändert. 

Aber ist es ein Weg zu mehr Unabhängigkeit von Männern, Staat und Kapitalismus oder nur eine neue Form der Unfreiheit?

Ich fand “Heimat” einen mehrschichtigen und sehr interessanten Roman, der viele aktuelle Fragen auf spannende Weise aufgreift. „Heimat“ hat mich auch auf persönlicher Ebene sehr stark angesprochen hat und in meiner aktuellen Lebenssituation abgeholt.

Ich möchte jetzt unglaublich gerne auch den Roman “Auszeit” von Hannah Lühmann lesen!

  • Hannah Lühmann
  • Heimat Hannah Lühmann Klappentext

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Eine Antwort zu „HEIMAT von Hannah Lühmann“

  1. […] und leise und steht damit im Kontrast zu den mächtigen und lauten Gegenwartsromanen wie „Gym“, „Heimat“ oder gar „Hotel Love“. Natürlich lese ich gerne diese lauten und schnell auf den Punkt […]

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