Romane, die (unter anderem) die Menstruation thematisieren, sprechen mich eigentlich immer sofort an und ich will sie lesen. Deswegen ist der Debütroman „Paradise Beach“ von Dara Brexendorf gleich auf meiner Leseliste gelandet, als ich auf dem Klappentext den Begriff „Endometriose“ gelesen hatte.
Die Protagonistin Ada in „Paradise Beach“ leidet seit Einsetzen ihrer Menstruation unter furchtbaren Schmerzen während ihrer Periode. Als erwachsene Frau erhält sie nach einem operativen Eingriff endlich die richtige Behandlung in Form einer Hormontherapie. Die ist allerdings nicht ohne Nebenwirkungen.
“Und, wie geht es Ihnen jetzt?
Wie geht es Ihnen mit dem Gedanken daran, nicht mehr zu bluten?”
Ada erholt sich nach dem Eingriff zu Hause und steht unter dem Einfluss der Medikamente. Während sie in ihrer Wohnung auf die Geräusche der Nachbar*innen lauscht, denkt sie viel an die Vergangenheit zurück.
Der Gedanke, dass sie jetzt nie mehr bluten wird, lässt sie a die Zeit denken, als sie als junge Teenagerin ihre Periode bekommen hatte und sie mit ihren Freund*innen den Jahrhundertsommer 2003 verbracht hatte.
Die Rückblicke in Adas Jugendzeit gestaltet Brexendorf als klassische Coming-of-Age Geschichte, natürlich aus weiblicher Perspektive. Das heißt, der 13-jährigen Ada wird erstmals bewusst, dass ihr Körper von anderen beobachtet und beurteilt wird. Und sie lernt zum ersten Mal die unerträglichen Schmerzen und die Scham kennen, die mit ihrer Periode verbunden sind. Als Mädchen hat Ada keine Begrifflichkeiten für das was während ihrer Periode mit ihr passiert und sie lernt schnell, sich von ihrem Körper zu distanzieren.
Forever am Paradise Beach
Erst viel später, nachdem eine verständnisvolle Frauenärztin sie ernst nimmt und ihr endlich zu einer Behandlung verhilft, kann Ada sich mit der Vergangenheit und ihrem Körper auseinandersetzen.
Ein weiteres wichtiges Thema, das bei „Paradise Beach“ im Mittelpunkt steht, ist Freundinnenschaft. Nach ihrer OP denkt Ada oft an Elja, die sie in diesem Sommer kennengelernt hatte und die ihr für kurze Zeit sehr wichtig war. Elja, stand, anders als Adas Cousine und Freundin Lill für etwas Neues und Mutiges, das diesem Sommer einen ganz besonderen Zauber verliehen hat und einzigartig gemacht hatte.
Es ist diese sommerliche und flirrende Atmosphäre, die Dara Brexendorf ganz wunderbar eingefangen hat. Sie kontrastiert sie mit der trist scheinenden Stimmung in dem Mietshaus der Jetzt-Erzählebene.
Ich finde es natürlich super, dass in „Paradise Beach“ Endometriose und weibliches Körpererleben während der Pubertät beschrieben werden, trotzdem war der Roman für mich kein Pageturner. Die ruhige Erzählstimme plätschert so ein bißchen durch mein Oberstübchen, reißt mich aber nicht so wirklich mit.
Wahrscheinlich hätte ich mir angesichts des Themas gerne noch mehr feministische Gesellschaftskritik bezogen auf Körperbilder, Medical Gaslighting und dergleichen gewünscht, statt der Coming-of-Age Elemente und des Hundenebenschauplatzes aus der Nachbarschaft.
Ich finde das wunderschöne Cover spiegelt gut die sommerliche und leicht melancholische Stimmung des Romans wieder, könnte also für dich ein Match sein, wenn es dich anspricht.
Vielen lieben Dank an den Eichborn Verlag und Kirchner Kommunikation für das Rezensionsexemplar mit dem wunderschönen Cover! Danke und viel Erfolg an Dara Brexendorf für ihren Roman!





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