Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine richtig saubere Wohnung hatte. Wahrscheinlich als ich eingezogen bin. Danach dann nie mehr. Das liegt daran, dass ich eigentlich nur dann sauber mache (das Wort „putzen“ wäre in diesem Zusammenhang euphemistisch), wenn es wirklich nicht anders geht, und selbst dann nur…lokal.
Ganz anders hält es die Ich-Erzählerin Sol in María Agúndez‘ Roman “Saubere Häuser“ mit der Sauberkeit. Sie putzt eigentlich obsessiv und gerne, schämt sich aber, es zuzugeben. Vielleicht muss ich dazusagen, dass es in Spanien viel verbreiteter ist als in Deutschland, sich Dienstleister*innen im Haushalt wie Putzkräfte, Haushälterinnen und Kinderbetreuerinnen zu engagieren. Und die Putzkräfte, Haushälterinnen und Kinderbetreuerinnen der Reicheren haben wiederum Putzkräfte, Haushälterinnen und Kinderbetreuerinnen, damit sie arbeiten gehen können. Eine prekäre Kette bis nach unten, die María Agúndez in ihrem Roman beschreibt.
Kein Wunder also, dass auch Sol gleich zwei „Mädchen“ zum Saubermachen bezahlt, was sie eigentlich lieber selber machen würde.
Doch Sol sieht sich selbst auch als Feministin oder hat zumindest das Gefühl, sie sollte es sein, und findet sich damit in tiefem Widerspruch zu ihren häuslichen Bedürfnissen.
„Beim Putzen bin ich wie besessen von einer Kraft, die in sonst keinem Lebensbereich zum Vorschein kommt.“
Da scheint es fast wie ein erlösender Zufall, dass die Erzählerin ihren Job verliert und endlich eine ausreichende Rechtfertigung hat, die gemeinsame Wohnung selbst zu putzen.
Allerdings verkompliziert sich die Situation extrem, als Sol schwanger und dann Mutter eines kleinen Mädchens wird…
Wer will „Saubere Häuser“?
María Agúndez verarbeitet in ihrem Roman viele gesellschaftliche und feministische Themen, die vielleicht auf Grund der unterschiedlichen Dienstleistungsstruktur nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar sind. Definitiv direkt übertragbar ist allerdings die Tatsache, dass Putzen und Saubermachen vermutlich weltweit als ausschließlich weibliches Aufgabengebiet und weibliche Verantwortung zählt.
Und in Sols Ambivalenz, was sie vermeintlich als Feministisch zu tun und zu lassen sollte, finde ich mich ansatzweise wieder.
Allerdings verliert sich Agúndez nach der recht spannenden Exposition meiner Meinung nach in vielen nebensächlichen Details und Nebenfiguren, was weite Teile des Romans leider recht zäh werden lässt. Und das Dranbleiben bis zum Schluss wird leider auch nicht mit einem packenden Schluss oder einer Pointe belohnt.
Dafür hat es mir gefallen, Sol bei ihrer Entwicklung und Emanzipation zu beobachten.
Vielen lieben Dank an den Eichborn Verlag für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an María Agúndez für ihren Roman!
Die Übersetzerin Christiane Quandt schreibt selbst Lyrik und übersetzt aus dem Spanischen und Portugiesischen.





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