Simone und Bettina sind Schwestern. Simmi und Tini. Simone ist die Ältere und Bettina die Jüngere. Aber das ist irrelevant, denn Simone kam geistig beeinträchtigt auf die Welt. Sie ist behindert und wird immer jemand brauchen, der sich um sie kümmert. Da sind natürlich erst mal die Eltern. Bettina lernt früh, dass die Aufmerksamkeit und Sorgen ihrer Eltern hauptsächlich auf Simone gerichtet sind, und es ihre Aufgabe ist, unauffällig zu funktionieren.
Aber auch Bettina hat Träume: Sie möchte unbedingt Schauspielerin werden. Wenn sie mit der Theatergruppe in der Schule auf der Bühne steht, kann sie sich verwandeln und jemand ganz anderes sein. Und sie hat Talent.
Das wirklich Wunderbare am neuen Roman von Thomas von Steinaecker ist, dass ich auch erfahre, ob Bettina ihren Lebenstraum verwirklichen wird und wie sich ihr und Simones Leben weiter entwickelt. Denn der Roman ist über mehrere Jahrzehnte angelegt und meisterhaft konstruiert, wie ich finde.
In drei großen Abschnitten , 1989, 2014 und 2037 erzählt von Steinaecker von drei entscheidenden Momenten in Bettinas Leben, die auch wiederum mit vielen Rückblicken und Perspektiven verschachtelt sind. Das erfordert zwar ein bisschen Konzentration, macht für mich das Lesen aber zu einem großartigen Mosaik aus Bettinas Lebensrealität und Gefühl.
Im Mittelpunkt steht ihre Beziehung zu ihrer Schwester Simone, die von Liebe und Fürsorge geprägt ist, aber auch von Überlastung und Verantwortung. Von Steinaecker zeigt, was Bettinas Leben und Entscheidungen beeinflusste und ihre innere Entwicklung. Er zeigt auch, wie ein Zuviel an Verantwortung dich erdrücken kann, ohne dass es unbedingt eine Alternative dazu gäbe.
Und doch trägt sich die Bürde oft leichter, wenn du sie teilen kannst. Ob das auch für Bettina funktioniert?
Schwestern – für immer
Mir gefällt es sehr gut, dass von Steinaecker in seinem Roman das Leben mit Beeinträchtigung nicht nur am Beispiel von Simone thematisiert und unseren Umgang mit behinderten Menschen oft kritisch anspricht. Ich bin ziemlich überrascht und finde es großartig, wie atmosphärisch und traurig der Roman in mir wirkt.
Und in den letzten Kapiteln zieht von Steinaecker noch mal so heftig und intensiv die emotionale Daumenschraube an, dass ich noch immer einen Druck auf der Brust spüre und am liebsten weinen will. Wegen Simmi und Tini und Fritzi.
Vielen lieben Dank an die S. Fischer Verlage für das Rezensionsexemplar mit dem wunderschönen Cover. Danke und viel Erfolg an Thomas von Steinaecker für seinen neuen Roman!





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