Ich hatte bis jetzt noch gar keinen Roman der deutschen Journalistin und Schriftstellerin Lena Gorelik gelesen, obwohl sie für ihre Werke schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Im März erscheint ihr neuer Roman „Alle meine Mütter“, der mich interessiert. Und als ich in der Bücherei den 2021 erschienenen Roman „Wer wir sind“ entdeckt hatte, habe ich ihn gleich mitgenommen.
Der Roman, der in Sankt Petersburg geborenen Autorin ist autobiografisch. So sagt Gorelik selbst, „es ist meine Geschichte, aber es ist trotzdem ein Roman.“
Es ist die Geschichte der kleinen Lena und ihrer Familie, die 1992 von Russland nach Deutschland auswandert. Sie erzählt von der Kindheit in Russland. Erzählt vom Großvater, der an Krebs stirbt, und von der Babuschka, der Oma. Von der Datscha, vom Milchholen am Milchwagen und der Zentralheizung im sozialistischen Russland. Und vom Onkel, der im Meer ertrunken ist, , er „ist ins Wasser gegangen“, wie in der Familie gesagt wird.
Dann der Umzug nach Deutschland, Lena ist 11 Jahre alt und die Familie muss die erste Zeit in einer Flüchtlingsunterkunft leben.
Gorelik erzählt vom Fremdsein, von den neuen Möglichkeiten und den großen Herausforderungen. Sie erzählt von dem Wunsch nach Assimilation.
Wer sind wir – in einem fremden Land?
Die junge Lena in Deutschland wünscht sich nichts mehr als dazuzugeben. Die Scham, anders zu sein, anders zu leben, verankert sich tief:
„Dagegen hilft kein Erfolg, keine Therapie, keine Erfahrung. Nichts hilft, weil Scham währt.“
Auch als erwachsene Frau und Mutter beschäftigen die Erzählerin immer noch die Erinnerungen, ihre Vergangenheit und die Frage nach Zugehörigkeit.
„Wie lange hält Erinnerung, wie lange halten wir sie in den Händen, wann weicht der Ekel vor vergrabenen Bildern, wann löst sich die Sehnsucht endlich auf?“
Gorelik erzählt in ihrem Roman auf verschiedene Weise. Oft erinnert sich ihre Erzählerin anhand einiger Gegenstände, die sie mit ihrer Familie und ihrer Geschichte verbindet. So kann ich mir während dem Lesen gut die junge Lena und ihre Gefühlswelt in meinem Kopf vorstellen. Und später den Wunsch und den Kampf der erwachsenen Frau, ihre Geschichte zu erzählen.
Wie der Titel schon andeutet, ist „Wer wir sind“ auch ein Roman über Identität, Migration und Herkunft, den ich gerne gelesen habe!
Jetzt freue ich mich auf Goreliks neuen Roman „Alle meine Mütter“, der als „Eine feinfühlige Erkundung der wohl prägendsten Beziehung unseres Lebens“ angekündigt ist.
„Wer wir sind“ erschien 2021 beim Rowohlt Verlag





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