Sie wurde mit einem dichten dunklen Fell geboren.
Weil sie Ruth ist.
Sie ist wunderschön und voller Magie.
Weil sie Ruth ist.
Sie kann Menschen in Tiere verwandeln und Gewitter heraufbeschwören.
Weil sie Ruth ist.
Sie nimmt sich was sie will.
Weil sie Ruth ist.
Sie kümmert sich um ihre Mutter und Freundinnen.
Weil sie Ruth ist.
Und Ruth erzählt mir in „Weil ich Ruth bin“ selbst ihre Geschichte. Sie ist die Erzählerin im neuen Roman der Schweizer Schriftstellerin Julia Weber.
Ruth erzählt ihre Geschichte chronologisch. Sie beginnt mit ihren ersten Erinnerungen an ihre Mutter, mit der sie als Kind in enger und liebevoller Symbiose lebt. Das dichte Fell, mit dem Ruth geboren wurde, und das in ihrer Kindheit für Spott aber auch Bewunderung sorgt, verschwindet allmählich, als sie vom Mädchen zur Frau wird.
„Kein Haar mehr an mir, außer auf dem Kopf. Und ein wenig im Schambereich, unter den Achseln. Wie ein Mensch, sage ich leise. Wie ein richtiger Mensch, schöne neue Ruth. Und ich lächle mich aus diesem hellen Gesicht mit einem rosaroten Mund an.“
Ruth kann mit ihrem Willen das Wetter und Dinge verändern und Menschen in Tiere verwandeln. Sie nutzt diese Gabe, wenn jemand sie darum bittet, aber auch wenn jemand sie ärgert. Ruth kann machen, dass sich übergriffige Männer selbst eine Ohrfeige geben. Ruth ist eine Frau und gleichzeitig ein Zauberwesen und Weber legt sie in einer Mischung aus naiv und instinktiv an.
Als Ruth sich verliebt, werden die Dinge kompliziert. Oder sind sie doch ganz einfach?
Mir gefällt sehr, wie stark und besonders die Figur Ruth ist. Sie enzieht sich gängigen Wertevorstellungen und moralischen Konventionen. Weil sie Ruth ist. Und doch zieht sich ein feministischer Grundgedanke durch den ganzen Roman. Weber, die zusammen mit sechs weiteren Schriftstellerinnen das feministische Autorinnen Kollektiv «RAUF» gegründet hat, thematisiert in „Weil ich Ruth bin“ männliche Gewalt in Partnerschaften, Alltag und Gesellschaft. Ruth ist, anders als ihre Mutter, frei von dem Wunsch, dem männlichen Blick gefallen zu wollen. Frei von dem Wunsch sich dem gängigen Rollenbild unterzuordnen, kann sie ganz nach ihrem eigenen Willen leben und agieren. Oder?
„Weil ich Ruth bin“ ist mit 460 Seiten nach dem Debüt „Immer ist alles schön“ und „Die Vermengung“ der umfangreichste Roman der Autorin. Ich erwähne das deshalb, weil Weber in einem einzigartigen literarischen und poetischen Stil schreibt, den ich sonst öfter von wesentlich dünneren Büchern kenne. Ich muss sagen, dass es schon ungewohnt und anstrengend war, meine Konzentration auf dieser Langstrecke aufrecht zu erhalten.
Magisch, märchenhaft und sehr besonders sind Adjektive die meiner Meinung nach gut zu dem Roman passen.
Auch die anderen Romane von Julia Weber sind jetzt auf jeden Fall auf meiner Merkliste gelandet!
Vielen lieben Dank an den unabhängigen Schweizer Limmat Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem wunderschönen Cover! Danke für diesen Roman und viel Erfolg an Julia Weber!





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