Ich weiß jetzt schon, dass ich „Ein Leben lang gesucht“ im nächsten Newsletter meines Blogs als das literarische Highlight der Woche nennen werde. Und ich weiß auch, dass ich mit meinen Mitteln nicht werde ausdrücken können, wie viel wirklich in diesem Buch steckt.
In seinem lang erwarteten zweiten Roman schreibt Tempest über Queerness, kaputte Familien, Klasse, über Liebe und Gewalt, Vergebung und Schuld, über das Verloren sein und über das Gefunden werden.
Es sind die ganz großen Themen, die in „Ein Leben lang gesucht“ verhandelt werden. Und Tempest tut das auf absolut leidenschaftliche und mitreißende Art und Weise.
Seine Figur Rothko Taylor ist so eine verlorene Figur, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem Rothko einige Jahre im Gefängnis verbracht hat, warum wird erst gegen Ende des Romans enthüllt werden, kehrt dey in den Ort zurück, in dem dey aufgewachsen ist.
„Edgecliff.
Eine Aus mir hätte etwas werden können-Stadt.
Eine Meine Kinder sollen bekommen, was ich nie hatte-Stadt.“
Rothko hatte eine schwierige Kindheit und Jugendzeit. Und nach der langen Abwesenheit ist ein Anknüpfen an alte Zeiten und Freundschaften schwierig.
„Dey fühlte sich alt. Aber dey war nicht genauso gealtert wie andere. Dey hatte sich sein Alter nicht durch Erfahrungen oder Beziehungen verdient. Dey war einfach nur darin erwacht, ganz plötzlich. Alt. Und unvorbereitet.”
Im Laufe des Romans blickt Tempest immer wieder zurück in Rothkos Vergangenheit. Erzählt von deren Mutter Meg, eine weitere, verlorene und abgestürzte Seele, und von Rothkos Freund*innen. Immer näher bewegen wir uns beim Lesen auf den Punkt von Rothkos Absturz zu, der schließlich dazu geführt hat, dass dey im Gefängnis gelandet ist.
Heimat, Liebe und Identität – ein Leben lang gesucht?
Neben Rothkos mitreißender und emotionaler Geschichte und den Themen, die darin aufgegriffen werden, hat mich „Ein Leben lang gesucht“ besonders auch auf sprachlicher und literarischer Ebene fasziniert.
Tempest benutzt zum Teil sehr einfache Sprache und Sätze. Und kann damit doch komplizierte emotionale Zusammenhänge auszudrücken und in Worte fassen. Dann wiederum schwingen sich manche Sätze in höchste poetische Sphären auf und malen die ungewöhnlichsten und wunderbarsten Bilder.
Ich finde das in dieser Form schon sehr besonders und neuartig und es gefällt mir ausgesprochen gut.
Tempest selbst hatte sein Outing als nichtbinärer Transmann 2025. Die Vermutung liegt nahe, dass sich einige seiner Erfahrungen und Gedanken als autofiktionale Elemente in seinem Roman widerspiegeln.
Wenn du grundsätzlich Interesse und Offenheit für Themen wie Queerness, Transidentität und Nonbinarität mitbringst, ist „Ein Leben lang gesucht“ eine unbedingte Empfehlung für dich!
Ein großes Dankeschön an den Suhrkamp Verlag für das wunderbare Rezensionsexemplar mit der schönen Covergestaltung. Danke und viel Erfolg an Kae Tempest für die deutsche Ausgabe seines Romans!
Sensationell übersetzt aus dem Englischen von Conny Lösch





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