Kennst du das Gefühl, das ich gerne als „Ende einer Ära“ bezeichne? Dieses Gefühl markiert das Auslaufen oder allmähliche Ende eines Lebensabschnitts und ist mit einer ganzen Palette, sich teilweise wiedersprechender Emotionen verbunden: Abschied und Trauer, Rückbesinnung und Erinnerungen, aber manchmal auch Zufriedenheit und Aufbruchsstimmung und natürlich ein kräftiger Schuss Nostalgie und Melancholie. Ich empfinde dieses Gefühl zurzeit, weil mein jüngstes Kind gerade sein letztes Kindergartenjahr beginnt. Das ist für mich das Ende einer 15-jährigen Ära.
Von dieser Gefühlspalette soll auch der neue Roman „Alleinruhelage“ von Eva Menasse erzählen, nur leider fühl ich die Vibes nicht so. Menasses Erzählerin adressiert in ihrem neuen Roman ihr Haus in Alleinruhelage, das sie jetzt verkaufen will. Definitiv das Ende einer Ära. Gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann und der gemeinsamen Patchworkfamilie hatte die Erzählerin das Wochenendhaus, einst eine ehemalige Waldschänke, gekauft und hergerichtet.
Rückschauend erzählt Menasses Figur von den vielen unterschiedlichen Menschen, Erlebnissen und Zeiten, die sie mit dem Haus verbindet. Mittlerweile ist die Ehe geschieden, die Kinder sind groß und der einstige Rückzugsort hat ausgedient. Jetzt muss das Haus noch einmal ordentlich hübsch gemacht werden, damit es zu einem guten Preis verkauft werden kann.
Haus in Alleinruhelage – oder Mensch?
Viel Raum in der Rückschau verwendet die Erzählerin für das Lokalkolorit. Das Häuschen liegt im ehemaligen Osten bei einem kleinen Örtchen namens Vogelsang. Menasse selbst besaß über 20 Jahre ein ehemaliges DDR-Wochenendhaus und verdichtet in ihrem neuen Roman ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen autofiktional.
Ihre Erzählerin ist wie Menasse selbst Österreicherin und blickt somit mit ganz anderen Augen auf die brandenburgisch-vorpommersche Provinz und die deutsch-deutsche Geschichte als die ortsansässigen „Datschisten“.
Was hilft bei Pumpenproblemen, Seeunkraut und den Vorbehalten der Einheimischen gegen die wachsende junge Familie? Eine gute Portion Pragmatismus und Toleranz. Menasse schreibt im lockeren und humorvollen Tonfall, der auch bei ernsteren Themen seine Leichtigkeit behält.
Ich muss sagen, für mich persönlich war der Roman überhaupt kein Match. Den zahlreichen Schilderungen der in meinen Augen recht prosaischen Probleme und Alltagsbegebenheiten rund um den Kauf, die Wartung und Verkauf des Wochenendhäuschens konnte ich wenig abgewinnen. Auch wirkten die beschriebenen Typen, die die Erzählerin beschreibt, stark überzeichnet, wenn auch mit viel Liebe zum Detail, und fast wie Karikaturen.
Sicher fängt Menasses Roman viel von der Stimmung der lokalen Ost-West-Beziehungen ein und den Veränderungen, die ihre Erzählerin über die Jahre dort am See beobachtet. Aber letztlich fehlte mir schon eine emotionale Verbindung und Tiefe in der gesamten Geschichte.
Mich hat Menasses Erzählstil in „Alleinruhelage“ sehr an „Die vorletzte Frau“ von Katja Oskamp erinnert, was für mich ebenfalls kein Match war.
Vielleicht ja, aber für dich?
Vielen lieben Dank an den Kiwi Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem schönen Cover. Danke und viel Erfolg an Eva Menasse für ihren Roman!





Schreibe einen Kommentar