Also Dystopien und apokalyptische Romane findest du auf jeden Fall sehr viele in meinem Feed und ich bin immer auf der Suche nach dem nächsten Ende der Menschheit, am liebsten in literarischer Ausführung. Natürlich konnte ich dem neuen Roman von Elisabeth Schmidauer nicht widerstehen, denn der Titel „Nach dem Ende“ ist ganz wörtlich gemeint.
Verschiedene apokalyptische Katastrophen, Umweltzerstörung und Krankheiten haben die Menschheit nahe der Ausrottung gebracht und zurück in einen mittelalterlichen Zustand katapultiert. Ob ich dieser Zukunftsversion so zustimmen würde, weiß ich nicht so recht, aber darum geht es in Schmidauers Roman auch gar nicht.
Vielmehr erzählt sie von einer Welt, in der die Menschen wieder komplett auf ihr direktes Umfeld angewiesen und auch begrenzt sind. Jede globale Kommunikation wurde unterbrochen und die verbleibenden Bewohner*innen in den Dörfern und Städten sind auf sich alleine gestellt. Das erfahre ich aus Milas Erzählperspektive, die den ersten Teil des Romans einnimmt.
Der Zusammenbruch der Welt, wie wir sie kennen, liegt da noch nicht so lange zurück. Mila war sich damals als klimaaktivistische Schülerin der bevorstehenden Katastrophe bewusst, aber ihre Familie und der Rest der Welt war zu sehr in ihrem bequemen Alltag gefangen, um sie ernst zu nehmen. Kommt dir bekannt vor? Schmidauers Roman kann durchaus als sehr gesellschaftskritisch angesehen werden.
Jetzt sieht Milas Leben und Zukunft und die ihres Bruders jedenfalls komplett anders aus, aber noch macht man in ihrem Dorf das Beste aus der Situation und versucht sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. Doch düstere Vorboten kündigen sich an.
Was passiert nach dem Ende?
Den weiteren Roman schreibt Schmidauer aus wechselnden Perspektiven und macht verschiedene Zeitsprünge. Damit bricht sie mit meinen Erwartungen und den Erwartungen an einen dystopischen Roman generell. Die Erzählung läuft nicht mehr stringent linear und fordert uns Leser*innen auf, Lücken selbst zu füllen und Querverbindungen zu ziehen. Mit fortschreitendem Verfall der Gemeinschaft wird der Roman immer düsterer und bedrückender. Schmidauer zeigt, wie sich die verbleibenden Menschen entlang der Geschlechterlinie zu spalten beginnen und wie immer mehr Gewalt und eine neue Hierarchie Einzug halten.
Ja, ich finde es bedrückend, weil ich darin gewisse Entwicklungen unserer Gesellschaft gespiegelt sehe, auch ganz ohne Apokalypse.
Wenn du einen abenteuerlastigen Endzeitroman mit konventioneller Erzählstruktur erwartest, wirst du von „Nach dem Ende“ vielleicht enttäuscht. Schmidauers Roman ist für die Spiegelbestsellerliste sicherlich zu speziell und thematisch zu wenig fokussiert erzählt. Mir hat ihr Roman allerdings sehr gut gefallen und ich war überrascht, als ich festgestellt hatte, wie viele die zeitweise als Lehrerin arbeitende österreichische Autorin bereits veröffentlicht hat. Davon werden auf jeden Fall welche auf meine Wunschliste wandern.
Ein großes Dankeschön an den Picus Verlag für das interessante Rezensionsexemplar und an Vorablesen für die Verlosung. Danke und viel Erfolg an Elisabeth Schmidauer für ihren neuen Roman!




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