“Cedrick ist also tot. Das erste Gefühl ist sonderbar, ist mehr Erstaunen als Bedauern. Und gleich darauf der Gedanke: das ist eine starke Geschichte.”
Und diese Geschichte will der israelische Lehrer, Dozent und Schriftsteller Gish Amit erzählen. In einer Zeitung liest er von im Gazastreifen getöteten Soldaten und erkennt einen Namen sofort wieder: er hatte Cedrick Garin als Lehrer an einer Schule für Kinder von Arbeitsmigrant*innen im Fach Philosophie unterrichtet.
Er fragt sich, was ein Kind philippinischer Einwanderer dazu bewogen hat, in die Armee einzutreten.
Gish Amit spricht mit Cedricks ehemaligen Klassenkamerad*innen, seiner jungen Witwe und seinen Eltern und beschreibt die Lebensrealitäten von marginalisierter Arbeitsmigrant*innen wie Cedrick. Amit zeigt an vielen anderen Menschen und Beispielen, wie Israel mit eingewanderten Menschen umgeht, die es eigentlich wegen ihrer Arbeitskraft im Land braucht und doch nur notgedrungen duldet.
Cedrick oder der Preis der Zugehörigkeit
Immigranten aus den Philippinen ohne israelische Staatsbürgerschaft, wie die Eltern von Cedrick, arbeiten sehr oft in der Altenpflege oder als Reinigungskräfte. Amit erzählt von seinen Schüler*innen, die bereits als junge Erwachsene keine Perspektive für sich in Israel sehen.
“Mich hat sehr traurig gemacht, dass sie keine Träume haben, dass ihre Phantasie so begrenzt ist, hat mich geschmerzt, denn ich meine, in diesem Alter sollten Kinder überreichlich Träume haben.”
Mich hat dieser Einblick in diesen Aspekt der israelischen Gesellschaft, den ich so vorher noch nicht kannte, sehr interessiert. Zwar stand in Amits erzählendem Sachbuch gar nicht so sehr die Rekonstruktion von Cedricks Leben im Vordergrund, doch es ist Dreh- und Angelpunkt seiner verschiedenen Geschichten.Und es endet mit einem pessimistischen Schluss, der mir irgendwie folgerichtig erscheint. Und mich sehr nachdenklich macht, was Amit damit intendiert.
Erschienen ist “Cedrick” jetzt auf Deutsch beim Altneuland Verlag. Der Verlag fungiert als literarische Heimat für hebräische und jüdische Literatur. Er hat sich zum Ziel gesetzt, hebräische Stimmen losgelöst von den Grenzen eines einzelnen Nationalstaates oder rein religiösen Kontexten in einem globalen Rahmen zu präsentieren. Um seine Bücher auf dem deutschen Markt zu platzieren, kooperiert der Altneuland Verlag eng mit dem Berliner Kanon Verlag.
Übersetzer:in: Markus Lemke
Vielen Dank an den Verlag für das schöne Rezensionsexemplar und an Kirchner Kommunikation für die Vermittlung. Danke und viel Erfolg an Gish Amit für sein Buch!




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