Also ich mag es schon gerne, wenn es in Romanen richtig knallt, auch literarisch. Handlungen, die sich eher langsam und leise entwickeln, haben es bei mir sehr viel schwerer. „Die Austernfischerin“, der allererste Roman der Münchner Kuratorin und Redakteurin Celine Edinger, ist so ein Roman, würde ich sagen, aber er hat mich im Sturm erobert. Edinger hat mein Herz mit ihrer Geschichte, um mal beim Bild zu Bild zu bleiben, wie eine Austern geöffnet und mich am Schluss mit einem bittersüßen Schmerz erfüllt.
Okay, erst mal weg mit dem Pathos. Um was gehts: Lydia ist eine wahrscheinlich typische junge Frau, die mit ihrem Freund Hendrick in den Urlaub an die dänische Nordseeküste fährt. Dort können sie solange im Haus seiner Mutter Elna, einer Austernfischerin, wohnen. Edinger stellt gleich klar, dass die Beziehung zwischen Hendrick und seiner Mutter Elna belastet ist.
Leider bekommt Hendrick gleich zu Beginn des Urlaubs den unangenehmen Anruf, dass er durch eine wichtige Prüfung gefallen ist und er beschließt die Zeit und die Ruhe zum Lernen zu nutzen. Lydia hat dadurch plötzlich viel Zeit für sich selbst und sie schließt sich öfter Elna bei ihrer Arbeit als Austernfischerin und bei ihren Erledigungen an.
Die ruhige ältere Frau fasziniert sie mit ihrer klaren und naturverbundenen Lebensweise und sie verbringt gerne Zeit mit ihr.
Die Austernfischerin – überraschend zärtlich
Hendrick hingegen verwandelt sich immer mehr in eine richtige red flag. Edinger macht das sehr geschickt, denn sie bewegt sich auf der sehr schmalen Linie von toxischem, übergriffigem männlichen Verhalten, das in Hetero-Beziehungen oft noch als normal wahrgenommen und von Partnerinnen toleriert wird.
Ich bin davon gefesselt, wie subtil Edinger das Beziehungsgeflecht in dem kleinen Haus herausarbeitet, und liebe es zu verfolgen, wie sich die beiden unterschiedlichen Frauen näher kommen und sich unterstützen. Außerdem feiere ich Edingers mutige Entscheidung, den Roman auf diese Art enden zu lassen.
„Die Austernfischerin“ hat in mir etwas zum Klingen gebracht, mir eine Sehnsucht aufgezeigt, vielleicht nach jemandem, der sich um mich kümmert oder mir mal einen Tee macht. Und vielleicht kann ich aber auch selbst mal wieder öfter jemandem einen Tee kochen.
Ein großartiges Debüt von Celine Edinger, das ich auf jeden Fall weiterempfehle!
Vielen lieben Dank an den Kein & Aber Verlag für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Celine Edinger für ihren Roman!





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