„Du wirst dieses Buch lieben, Dano“ steht auf dem Umschlag von „Die Namen“ von Florence Knapp. Eine tolle individualisierte Bloggerinnencampagne hat sich der Eichborn Verlag da für seinen aktuellen Spitzentitel ausgedacht.
Und sie wissen, dass sie sich mit diesen Vorschusslorbeeren nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Der erste Roman der britischen Autorin, der gleich in 20 Länder verkauftlegt wurde ist großartig und wird bestimmt eine große Menge an begeistertern Leser*innen für sich gewinnen.
Cora ist mit ihrer Tochter Maja auf dem Weg zum Standesamt, um den Namen für ihren neugeborenen Sohn eintragen zu lassen. Ihr Mann Gordon besteht aus Traditionsgründen auf „Gordon“, Cora selbst mag „Julian“ und ihre Tochter Maja schlägt „Bear“ vor. Ausgehend von diesem Prolog splittet Knapp die Handlung in drei Abzweigungen auf, in denen Cora ihrem kleinen Sohn jeweils einen anderen Namen gibt und verfolgt die Entwicklung von Gordon/Julian/Bear über die nächsten Jahrzehnte.
Der Kernpunkt ist, dass die Wahl des Namens nicht nur für eine kleine Entscheidung steht, sondern einschneidend für das weitere Leben aller. Denn Coras Mann Gordon ist gewalttätig und kontrolliert ihr Leben schon seit Jahren.
Mit der Wahl des Vornamens „Bear“ entscheidet sich Cora das erste Mal seit Langem für sich selbst und löst damit zu Hause eine extreme Eskalation aus. In der Version der Geschichte, in der sie ihren Sohn „Gordon“ nennt, wählt Cora den Weg der Anpassung und der weiteren Unterordnung. Mit „Julian“ scheint sie einen Mittelweg gewählt zu haben, doch auch diese Eigenmächtigkeit führt zu einer brutalen Bestrafung.
Entscheiden die Namen über den Lebensweg?
Mir gefällt besonders gut, wie Knapp ihre Figuren über die Jahre begleitet und ihre Entwicklung beschreibt. Natürlich ist es nicht nur der Name, der den weiteren Weg des kleinen Gordon/Julian/Bear beeinflusst, sondern das Umfeld in dem er aufwächst. Und dieses Umfeld ist hauptsächlich geprägt von der Gewalttätigkeit und den Taten seines Vaters. Auch in den Versionen, in denen er gar nicht mehr Teil der Geschichte ist, wirken die Nachwirkungen von Gordons Gewalt noch Jahrzehnte danach.
Das Konzept,von sich unterschiedlich entwickelnden Realitäten, ausgehend von einer Entscheidung, ist nicht neu, aber Knapp setzt es unglaublich emotional und unterhaltsam um.
Ich muss dabei sagen, dass ich den Roman erst im zweiten Anlauf geschafft habe. Ich musste ihn beim ersten Versuch aufgrund der drastischen Schilderungen der Partnerschaftsgewalt und des patriarchal toxischen Gordons erst mal zur Seite legen. Das hat mich sehr mitgenommen.
Entscheidet mein Name, wer ich bin?
Es hat mich besonders gerührt, wie sich gerade Gordon/Bear/Julian über die Jahre entwickelt. Knapp macht es sich mit dem Ursprung der Gewalt nicht zu einfach, sondern zeigt deutlich, dass sich Gordons gewalttätige Prägung schon über Generationen erstreckt. Aber sie zeigt auch, dass eine Unterbrechung dieser transgenerationalen Kette der Gewalt möglich ist. Das wird besonders im emotionalen Epilog deutlich, den ich aber persönlich nicht für besonders realistisch halte, sondern meiner Meinung nach dem nachvollziehbaren Wunsch nach Gerechtigkeit entspringt.
Auf jeden Fall ist „Die Namen“ ein wunderschöner und mitreißender Roman, den ich einfach uneingeschränkt allen empfehlen kann und will und den ich super gerne auch als Verfilmung sehen würde (mit einer großen Taschentücherbox).
Vielen lieben Dank an den Eichborn Verlag für das wunderbare Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Florence Knapp für die deutsche Ausgabe ihres Romans!
Übersetzt von Lisa Kögeböhn, der Übersetzerin mit dem Händchen für tolle Titel, die sie uns mit großem Sprachgefühl und Leidenschaft zugänglich macht.
Eine sehr begeisterte Rezension findest du auch bei Evelyn auf dem Literatour Blog bei Buchmomente und aus Liebe zum Lesen.






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