Der Roman „Die Tochter meines Mannes“ hat es mir sehr schwer gemacht, das hatte ich so nicht erwartet. Schwer nicht in literarischer Hinsicht, sondern inhaltlich.
Chiara Marchelli erzählt die Geschichte einer Frau, die selbst nie Mutter werden wollte, und sich in einen Mann mit einem kleinen Kind verliebt. Livia, die Ich-Erzählerin, und Arno, beginnen eine Beziehung, als die Tochter Emma aus seiner geschiedenen Ehe fünf Jahre alt ist.
Emma wird von der Erzählerin als schwieriges, verzogenes Kind beschrieben, das von seinem Vater und seiner Mutter keinerlei Grenzen aufgezeigt bekommt. Der Erzählerin gelingt es nicht, das kleine Mädchen zu mögen, sondern es fällt ihr immer schwerer, die in ihren Augen fehlende Erziehung des Vaters auszuhalten. Die gemeinsam verbrachte Zeit wird für sie mehr und mehr zur Geduldsprobe, ihre Ablehnung gegenüber dem Kind wächst.
In dem Roman verfolge ich die Beziehung der Erzählerin zu Arno und seiner Tochter Emma über 15 Jahre. Emma wird vom Kind zur Teenagerin. Ihre pubertären Eskapaden bringen einen gemeinsamen Urlaub kurz vor die Eskalation. Zumindest in den Augen der Erzählerin. Und die Unfähigkeit Arnos, seine Tochter in die Schranken zu verweisen droht die Liebe des Paares zu zerstören…
Das Kind meines Mannes – ein reiner Störfaktor?
Ja, ich fand das alles sehr schwierig zu lesen. Die Einstellung der Erzählerin gegenüber dem Kind entspricht sicher nicht dem, was wir heute als pädagogisch angemessen empfinden. Ihr Neid, ihre Eifersucht und Ablehnung gegenüber einem kleinen Kind lassen meiner Meinung nach darauf schließen, dass sie selbst als Kind hart und nicht bedürfnisorientiert erzogen wurde. Leider wird das in dem Roman nicht reflektiert, sondern die Ablehnung zwischen der erwachsenen Frau und dem heranwachsenden Mädchen wird als gegebene gegenseitige Animosität deklariert.
Ich bin selbst Elternteil und fand das geschilderte Verhalten von Emma keineswegs „aus der Hölle“, sondern altersgemäß. Kinder kommen nicht wie bestellt aus dem Bilderbuch unserer Wunschträume zu uns. Sondern bringen ihren eigenen Charakter mit, der uns vielleicht auch nicht immer gefällt oder in jeder Facette sympathisch ist. Wenn wir entscheiden, Kinder in unser Leben zu lassen, ist es unsere Aufgabe, diese Kinder anzunehmen und zu lieben, so wie sie sind. Ich denke, dass Arno als Vater stets versucht, seine Tochter an erste Stelle zu setzen, ist richtig und wichtig.
Mir fehlte eine Reflektion darüber, warum die Erzählerin permanent eine Konkurrenzsituation zu der zu Beginn noch sehr kleinen Tochter heraufbeschwört und der Erziehungsstil des Vaters bei ihr solche emotionalen Widerstände auslöst. Nur das als furchtbar empfundene Kind dafür verantwortlich zu machen, griff mir zu kurz. Vielleicht habe ich aber auch zu viel den Podcast von Stefanie Stahl konsumiert.
Trotz dieser Punkte konnte ich den Roman nicht zur Seite legen und habe ihn sehr nachdenklich beendet. Ein Roman, der einige Reibungspunkte bietet und sich wahrscheinlich perfekt zum Diskutieren eignet.
Vielen lieben Dank an den den btb Verlag für das interessante Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Chiara Marchelli für ihren Roman!
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull.





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