Dieses Zimmer kann man nicht essen von Nicol Hochholczerová

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Dieses Zimmer kann man nicht essen von Nicol Hochholczerová

Ich habe schon viele Romane über missbräuchliche Beziehungen zwischen Minderjährigen oder sehr jungen Erwachsenen und wesentlich älteren Menschen, die ihren Autoritätsvorteil ausnutzen, gelesen. Wobei das Alters- und Machtgefälle manchmal so groß ist, dass ich das Wort „Beziehung“ nicht mehr dafür gebrauchen möchte.

Laut der Kurzbeschreibung bearbeitet Hochholczerová in dem Roman ihre eigenen Erfahrungen. 

Ihre Ich-Erzählerin, die zu Beginn der Erzählung erst 12 Jahre alt ist, fühlt sich durch das Interesse und die Aufmerksamkeit ihres viel, viel älteren Kunstlehrers gesehen und geschmeichelt. Sie ist durch die Herausforderung der Pubertät extrem verunsichert und sucht Halt. 

“Dieses Zimmer kann man nicht essen“ – was dann?

Mir, als Leserin, ist natürlich klar, dass sich der Kunstlehrer nicht wirklich für die Erzählerin als Mensch und für ihre Kunst interessiert, wie er es sie glauben macht. 

In ihrer Jugend und Unerfahrenheit ist sie bereit, für dieses Interesse mit ihrem Körper und sexuellen Gefälligkeiten zu bezahlen.

Hochholczerová beschreibt in poetischer Sprache, die sie mit rohen und direkten Zeilen kontrastiert, die Innenwelt ihrer verletzlichen Erzählerin auf ihrem belasteten Weg ins Erwachsenwerden.

In sehr vereinzelten Kapiteln wechselt Hochholczerová in die personale Perspektive von Ivan, dem älteren Lehrer, der eine Frau und eine Tochter hat. Diese Kapitel dienen nicht dazu, seine Motivation und die Psychologie eines Täters zu ergründen (dazu gibt es auch genug andere Romane), sondern um die Ich-Erzählerin Tereza aus seiner Sicht von außen zeigen.

Der etwas sperrige Romantitel greift das Motiv des Essens auf, das Hochholczerová literarisch durch den Roman zieht. Das Essen könnte als Form von Aneignung und des sich einverleiben gesehen werden. Aber auch als Akt sinnlicher Körperlichkeit und Lebensnotwendigkeit.

„Nimm noch einen Happen von mir, Liebling, sage ich, und du beißt in meine Ohren, die mir so sehr vom Kopf abstehen.“

„Dieses Zimmer kann man nicht essen“ muss sicher den internationalen Vergleich mit anderen, inhaltlich ähnlich gelagerten Romanen nicht scheuen. Und ich hoffe man wird auch in Deutschland noch mehr von dieser jungen Autorin hören und lesen können.

  • Nicol Hochholczerová
  • Dieses Zimmer kann man nicht essen von Nicol Hochholczerová Klappentext

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