Gedichte
Mein bevorzugtes Literaturformat ist eindeutig Prosa, ich lese am liebsten Romane. Lyrik empfinde ich als zu konzentriert, zu verdichtet, zu schwer zugänglich. Doch ich habe schon öfter die Erfahrung gemacht, dass das natürlich nicht auf alle Lyrik für mich zutrifft.
Wenn ich es geschafft hatte, mich von meinen geistigen Verengungen zu befreien, ist das Lesen von Gedichten oft bereichernd für mich gewesen.
Zu den Gedichten in „GEISTERNETZE“ hatte ich einen sehr persönlichen und direkten Zugang, denn Sascha Kokot schreibt darin in seinen poetischen Zeilen über seinen Kinderwunsch. Ein Thema, das auch bei mir mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden ist. Aber gleichermaßen auch mit den wunderbarsten.
Es stimmt schon, ich musste in einer gewissen Stimmung sein und brauchte auch ein gewisses Maß an Ruhe, um mich wirklich auf die reduzierten lyrischen Texte von Sascha Kokot einzulassen, mochte dann aber das von ihm vermittelte Gefühl der Melancholie, der Trauer und des Trostes sehr.
Mir gefiel, wie er seine abstrakteren und assoziationsreichen Textlinien über seine Hoffnungen und Wünsche, Abschied und Verlust mit den konkreteren Zeilen über moderne Reproduktionsmedizin kombiniert.
Kokot zeigt die unsichtbaren „Geisternetze“, die unser Leben durchdringen, zart, zerbrechlich und voller Schmerz und Schönheit.
Vielen lieben Dank an den Gans Verlag für das schöne Rezensionsexemplar und an das Büro für Text und Literatur von Birgit Boellinger für die Vermittlung.
Sascha Kokot (1982 in Osterburg, Altmark) ist ein deutscher Lyriker, freier Autor und Fotograf, der in Leipzig lebt.
Mit „Geisternetze“ (Gans Verlag, 2026) veröffentlicht er seinen dritten Lyrikband nach Rodung(2013) und Ferner (2017). Die Gedichte setzen sich ehrlich mit Kinderwunsch, Verlust und moderner Reproduktionsmedizin auseinander. Kokot erhielt u. a. den Georg-Kaiser-Förderpreis und Stipendien der Kulturstiftung Sachsen.



Schreibe einen Kommentar