Lily King hat bereits einige Romane und Erzählungen veröffentlicht, und der New York Times Book Review findet „Herz König“ ist „ihr bisher bestes Buch“. Ich kann das nicht beurteilen, weil das jetzt erst mein erster Roman der amerikanischen Autorin ist. Aber bestimmt nicht mein letzter, denn ich war trotz einiger Kritikpunkte ziemlich angetan.
Nach den ersten Kapiteln dachte ich, „Herz König“ ist ein ziemlich typischer amerikanischer Campus Roman. Die Ich-Erzählerin Jordan ist eine junge Frau, die gerade Literatur studiert und am liebsten Schriftstellerin werden möchte. Sie selbst stammt aus eher prekären Verhältnissen und bewegt sich unsicher und unsichtbar in der elitär gezeichneten Welt der Intellektuellen.
Doch im letzten Jahr ihres Studiums freundet sie sich mit den hochbegabten und beliebten Studenten Sam und Yash an. Mit Sam beginnt sie sogar eine Beziehung, obwohl der komische, ziemliche amerikanische Ansichten zum Thema Sex hat. Red flags are waving. Und eigentlich schwärmt sich ohnehin viel mehr für den sensiblen und aufmerksamen Yash.
Mit einigem Augenrollen lese ich diesen ersten Teil, auch wenn mir Kings Kritik am Klassensystem der Universität sehr gut gefällt. Dann jedoch geht der Roman mit einem sehr großen Zeitsprung in eine ganz andere Richtung, die ich dann wesentlich interessanter finde.
Wir begegnen Jordan viel Jahre später wieder: sie ist inzwischen Ende 40, mittlerweile eine verheiratete und erfolgreiche Schriftstellerin und Mutter zweier kleinen Kinder. Und ein Geheimnis aus der Vergangenheit, das sie nie losgelassen hat…
Puh ja, King fährt schon schwere Geschütze an Schicksalsschlägen auf, die die ersten Kapitel so nicht erwarten liesen. Mich erinnert der Roman ein bißchen an „Weißes Licht“ von Eric Puchner, der ebenfalls über Jahrzehnte aus dem Leben seiner Figuren erzählt, bei denen die Jungend ein äußerst einschneidender Lebensabschnitt war.
Ich würde „Herz König“ nicht als eine zauberhafte Liebesgeschichte bezeichnen, sondern als eine realistische Liebesgeschichte. Also eine, in der sich die Liebe mit der Realität messen muss und manchmal verliert. Und manchmal gewinnt.
„Herz König“ war für mich ein wunderbar erzählter Roman, dem es mir manchmal ein wenig an psychologischer Nachvollziehbarkeit fehlte, was aber mit einer gewissen Dramatik ausgeglichen wurde. Gelesen habe ich ihn sehr gerne.
Besonders empfehlen kann ich hier das Hörbuch von Der Audio Verlag in der ungekürzten Lesung von Jodie Ahlborn , die genau die Stimme hat, die ich mir für die Erzählerin vorstellen würde. Danke an DAV für das digital Hörexemplar über @netgalleyde.
Vielen lieben Dank an C.H. Beck Literatur für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Lily King für ihren neuen Roman!
Aus dem Englischen von Eva Bonné. Weitere Rezension findest du bei Evelyn auf ihrem Literatourblog, bei der Bücherheimat und bei Buchwurm.





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