»Ihr glaubt wirklich, ich sei zu blöd zum Sterben. Ich geh jetzt los und bring mich um“
sagt Hanqing. Und meint es wirklich ernst.
Ihr Leben ist nämlich wirklich nicht der Burner. Ihr Mann ist arbeitslos und Hanqing muss für den finanziellen Unterhalt der Familie sorgen, sondern sich gleichzeitig auch um ihre anspruchsvollen Schwiegereltern kümmern und selbstverständlich den ganzen Haushalt erledigen, also alles was wir als Mental Load bezeichnen.
Dafür bekommt sie aber kein Dank oder gar Anerkennung. Nein. Sie kann nicht mal in Ruhe auf die Toilette, wenn sie ihre Verstopfung wieder quält. Hanging hat die Nase einfach gestrichen voll. Sie will so nicht mehr leben. Doch selbst auf die Ankündigung ihres Suizids reagiert ihre Schwiegermutter nur mit Verachtung und Spott.
»Man stirbt nur einmal, und um sich umzubringen, braucht es schon ein gewisses Talent. Ein schlichtes Ding wie Hanging ist damit überfordert.«
Also geht Hanqing los und will sich von einer hohen Brücke stürzen. Aauf dem Weg dorthin erlebt sie allerdings allerlei Abenteuer.
Was sich in dieser Kurzzusammenfassung recht humorvoll anhört ist (meiner Meinung nach) eine bitterböse Gesellschaftssatire. Fang Fang zeigt den Alltag einer Frau in einer chinesischen Familie und die Kälte und Abwertung, mit der sie täglich konfrontiert wird. Diese strukturelle Misogynie wird auch an den anderen Frauenschicksalen deutlich, denen Hanqing auf ihrem Weg begegnet.
Ich empfinden den Roman als zutiefst zynistisch und zwar berechtigterweise. Meiner Lesart nach zeigt Fang Fang gerade auch mit dem Schluss, wie wenig Kontrolle und Handlungsspielraum Frauen wie Hanqing in ihrem Leben haben. Und zwar so wenig, dass ihnen letztlich nicht einmal der Selbstmord als Ausweg offenzustehen scheint.
„Ob du lebst oder stirbst, ist allein deine Sache, Hanqing. Solange du lebst, darfst du immer nur für andere da sein, du selbst zählst nicht.“
Ihre Protagostin Hanqing durchschaut diese Mechanismen intuitiv sehr genau, ist aber nicht in der Lage sie zu durchbrechen. Ich denke, dass kann durchaus sinnbildlich für die chinesische Gesellschaft angesehen werden.
Dieser harte Zynismus ist für unsere Lesegewohnheiten nicht so leicht auszuhalten und sorgt sicher nicht dafür, dass „Ich geh jetzt los und bring mich um“ als erbauliche Lektüre angesehen wird.
Für mich war der Roman ein bestürzender Einblick in eine chinesische Familie, in der die absolute Empathielosigkeit die oberste Maxime ist.
Vielen lieben Dank an den Hoffmann & Campe Verlag für das gewünschte Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an #fangfang für die Deutsche Ausgabe ihres Romans!
Aus dem Chinesischen von Karin Betz





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