Sie sind noch Mädchen und stehen gerade an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Sie leben in einer abgehalfterten Provinzkleinstadt in Australien, ihre Dads sind längst abgehauen und ihre Mütter sind überfordert vom Geldverdienen und der Care-Arbeit. Nach der Schule können sie entweder schwanger werden, wenn sie es nicht längst aus Versehen sind, oder sich einen Job zum Mindestlohn suchen. Es ist 1994, und der Grunge, allen voran Nirvana mit Kurt Cobain, gibt ihrem Lebensgefühl Ausdruck.
Sie träumen davon mit ihrer Band beim Battle of the Bands zu gewinnen und so eine kleine Chance auf eine bessere Zukunft zu haben. Ihr Musiklehrer Mr. P. will ihnen dabei helfen, doch dann beschuldigt eine von ihnen, Lily, den Lehrer, sie sexuell genötigt zu haben.
Danach ist sie nicht mehr Teil der Band und der Gruppe von Freundinnen. Die glauben nicht an Mr. Ps Schuld und wollen beweisen, dass Lily gelogen hat, um doch noch an dem Bandwettbewerb teilnehmen zu können.
Die australische Schriftstellerin und Lehrerin Liz Allan hat ihr Romandebüt als Kollektivroman angelegt. Sie lässt die drei Freundinnen die Geschichte mit einer Stimme erzählen. Das verdeutlicht die Einigkeit der jungen Frauen, die alle aus ähnlichen Familien mit ähnlichen Problemen stammen. In ihren Augen hat Lily mit ihrer Beschuldigung die Gruppe und ihre gemeinsamen Träume verraten. Diese Ungeheuerlichkeit des gebrochenen Pakts unterstreicht Allan damit, dass viele Kapitel so ähnlich beginnen:
„Vor zwei Jahren, als wir noch mit Lily befreundet waren…“
Who is „in bloom“?
Hat Lily sich die Anschuldigungen gegen Mr. P. nur ausgedacht, um einen anderen Schuldigen zu schützen? Ich als Leserin ahne natürlich die Wahrheit. Zu oft betont das Kollektiv, dass Mr. P. der erste ist, der sich wirklich für sie interessiert hat und sie unterstützt hat. Es ist leider die zynische Wahrheit, dass das in Romanen und in einem Umfeld wie diesem oft nur eines bedeuten kann.
Kann sich das Kollektiv gemeinsam dieser Wahrheit nähern? Allan schafft es wirklich gut und unterhaltsam, die Perspektivlosigkeit und die Wut dieser Freundinnengruppe einzufangen, die gegen die Gleichgültigkeit ihres Umfelds rebelliert. Und gleichzeitig zeigt sie auch die Verletzlichkeit dieser noch jungen Mädchen, die sich mehr vom Leben wünschen, als ihr Umfeld für sie vorgesehen hat.
Mich erinnert „In Bloom“ unglaublich stark an „Wir, wir, wir“ von Dizz Tate, die einen ähnlichen Kollektivroman im amerikanischen Florida angesiedelt hat und der mir vielleicht noch einen Ticken besser gefallen hat. Dafür ist „In Bloom“ trotz der ungewohnten Erzählform leichter lesbar und gut zugänglich.
Hat mir sehr gut gefallen und ich hoffe sehr, dass wir noch mehr von dieser spannenden Autorin hören (und lesen) werden.
Vielen lieben Dank an den Unionsverlag für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Liz Allan für ihren Roman.
Aus dem Englischen übersetzt von Lisa Kögeböhn, bei der du auf Instagram unter @koegeboehnsche viele wahrhaft aufregende (leider!) Informationen zu ihrem Beruf als literarische Übersetzerin finden kannst.



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