Ich verfolge die Arbeit von Laura Melina Berling schon länger und mochte ihren ehemaligen Instagram-Account @littlefeministblog super gerne. Heute ist sie online seriöser als @ber._.ling unterwegs. Auch ihr Sachbuch „Modern Heartbreak – Feministischer Lieben“ hatte es auf meine Leseliste geschafft.
Natürlich wollte ich ihren ersten Roman lesen, zumal auch der Klappentext viel Unterhaltung versprach.
Ich habe nämlich eine kleine Schwäche für Outdoor- und Survivalgeschichten. Und da passt der Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel aus „Medusa in Paradise“ genau ins Portfolio.
Als Cara nach dem Absturz zu sich kommt, hat sie nur eine vage Erinnerung an den Absturz. Auch wer sie ist und wie sie gelebt hat, bevor sie in dieses Flugzeug gestiegen ist, ist ihr kein Begriff mehr.
Zum Glück kümmern sich die anderen Frauen, die den Absturz ebenfalls überlebt haben, gut um sie. Und erklären ihr, was sie bis jetzt über ihre Situation herausgefunden haben.
Scheinbar ist ein Teil des Flugzeugs auf einer abgelegenen Insel abgestürzt und nur Frauen gehören zu der Gruppe von Überlebenden. Wasser und Essen sind erst mal kein Problem, da frau sich noch aus dem Gepäck bedienen kann. Alle Handys und elektrischen Geräte sind außer Betrieb.
Um die allgemeine Vorgehensweise und die nächsten Schritte zu besprechen, werden in der Gruppe regelmäßige Diskussionstreffen veranstaltet.
Doch als Cara an einer dieser Runden teilnimmt, stellt sie fest, dass statt über Nahrungsbeschaffung und eine mögliche Rettung zu diskutieren, sich die Gruppe in detaillierten Diskussionen über das richtig Wording, Klassenbewusstsein und Identitätspolitik verliert.
“Müssten wir nicht ums Überleben kämpfen?
Anne nickt.
Ja, das wäre besser.”
Keine Frage, der Plot des Romans will als große Parabel verstanden werden. Schon im Vorfeld weist Berling darauf hin, dass in dem Roman Aussagen getätigt werden, die aktuelle feministische Diskurse abbilden. Und in der Tat reden die Figuren wie ein buntes Sammelsurium an Instagram Kacheln. Als Mensch, der einigermaßen viel Zeit auf Social Media verbringt, sind mir schon viele der Standpunkte und Meinungen begegnet, die von den einzelnen Personen auf der Insel wiedergegeben werden und die feministische Online-Diskussionen widerspiegeln. Die Ziele sind hehr, der Weg dorthin allerdings gepflastert mit potentiellen Shitstorms
“Ich will ja nur einen safe Space kreieren ohne Rassismus, Sexismus, Cis-Sexismus, Heteronormativität, Queerfeindlichkeit, Anti-semitismus, Adultismus, Ageism, Lookismus, Bodyismus, Ableismus, Speziesismus, Mentalismus, Tin*feindlichkeit …”
“Medusa in Paradise“ – nur für feministische Insider?
Ich beziehe mich bewusst auf Online-Diskussionen, denn ich kenne die erwähnte Diskurse jetzt ausschließlich von Social Media. Bis in meine analoge Welt im sehr ländlichen Bayern sind Begriffe wie intersektionaler Feminismus, RadFem und TERF noch nicht vorgedrungen. Das ist in größeren Städten oder auf der Insel in „Medusa in Paradise“ offensichtlich anders.
Ich will damit sagen, die im Roman verarbeiteten Diskurse sind vermutlich hauptsächlich für Leser*innen zugänglich, die sich mit aktuellen feministischen Strömungen beschäftigen.
Ansonsten muss ich leider sagen, bleibt der Plot an sich recht blaß, wirkt überhastet. Und die Figurenentwicklung des in meinen Augen überladenen Personals ist für mich nicht wirklich glaubhaft. Thematisch erinnerte mich der Roman ein bißchen an „Einzeller“ von Gertraud Klemm, hat aber meiner Ansicht nach nicht dessen Durchdringung der aktuellen feministischen Situation und damit dessen gesellschaftlichen Relevanz.
„Medusa in Paradise“ war für mich aber trotzdem keine verschwendete Lektüre. Und ich würde es Leser*innen empfehlen, die beispielsweise auch „Die Unbußfertigen“ von Elina Penner mochten.
Vielen lieben Dank an den Leykam Verlag für das wunderschöne Rezensionsexemplar mit der hammermäßigen Gestaltung und an die Agentur Wolkenlos für die Vermittlung.
Danke und viel Erfolg an Laura Melina Berling für ihren Roman!




Schreibe einen Kommentar