Eine Geschichte von Familie, Wut und Weiblichkeit von Juliane Schiemenz
Juliane Schiemenz, die Autorin von „Meine Ahnin, die Hexe, und ich“, ist eine Nachfahrin von Sidonia von Borcke, die 1620 als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Sidonia war zum Zeitpunkt ihres grausamen Todes bereits über 70 Jahre alt. Sie musste vor ihrer Verurteilung noch einen langen Gefängnisaufenthalt und Folter ertragen.
Wer wollte die streitbare und laute ältere Frau loswerden, die es nie aufgegeben hatte, um ihr rechtmäßiges finanzielles Erbe zu kämpfen?
Meine Ahnin, die Hexe und ich – Vergangheit und Gegenwart
Juliane Schiemenz begibt sich in ihrem Buch auf eine Spurensuche in die Vergangenheit, die mehr mit unserer Gegenwart zu tun hat, als uns lieb ist. Sie beleuchtet das Lebensumfeld und den Lebenslauf von Sidonia von Borcke. Sie vergleicht sie mit den Möglichkeiten, aber auch mit den Begrenzungen, die sie selbst in ihrem Leben vorfindet. So wie Schiemenz selbst war auch Sidonia von Borcke ungebunden und kinderlos und kämpfte für ihre finanzielle Unabhängigkeit. Hat es sie, anders als Frauen heute, das Leben gekostet?
Das Thema „Hexen“ fasziniert mich nach wie vor ungebrochen. Und gerade Bücher, die Unterhaltung, autobiografisches Erzählen und die Vermittlung von Information miteinander verbinden, stehen ganz oben auf meiner Hitliste. Dort landet auch „Meine Ahnin, die Hexe, und ich“, das ich gefesselt gelesen habe. Auch wenn es jetzt nicht unbedingt neue historische und feministische Erkenntnisse für mich lieferte. Es war der persönliche und autobiografische Bezug, den Schiemenz zwischen sich und Sidonia von Borcke herstellt, der das Buch für mich so interessant und spannend machte. Ich bin der Autorin super gerne bei ihren Recherchen gefolgt. Ich teile uneingeschränkt ihre Wut über die andauernde Verurteilung und Abwertung von Frauen, die die Gesellschaft heute immer noch als „alte Hexen“ oder „Zicken“ bezeichnet.
„Je mehr Geschichten von Frauen und über Frauen erzählt werden, desto stärker kann man sie als Abenteurerinnen, Vorkämpferinnen und Vorbilder entdecken, sich selbst als Teil von etwas Größerem erleben und Mut, Weisheit und Inspiration aus der Gemeinschaft ziehen.“
Leseempfehlung!
Ein großes Dankeschön an den Rowohlt Verlag für das wunderbare Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Juliane Schiemenz für ihr Buch!





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