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„Dear reader, Was ist deine problematische Fantasie?“
So beginne ich mit der Essaysammlung „POWER BOTTOM“ von Evan Tepest. Mich interessiert und fasziniert die literarische Bearbeitung von Themen wie Sex, Lust, Begehren. Und die gesellschaftlichen Zuschreibungen und Tabus, die damit einhergehen.
Wie könnte es auch nicht?
“Sex (im weiteren Sinne), Arbeitsdefinition: ein Sehnsuchtsbild, eine Alltagsstruktur, eine Beziehung zu Anderen und uns selbst, eine Beschäftigung. Die absolute Gegenwart.”
In Tepests Mischung aus autobiografischem Memoir, privaten Bekenntnissen und sprachlichen Erkundungen werden verschiedene Aspekte von sexueller Identität und queerer Sexualität gestreift.
Mir gefallen besonders die Ausarbeitungen zu sexuellen Fantasien und dem ganzen kinky stuff.
„Können wir Vergewaltigungsfantasien haben und emanzipierte Feministin:innen sein?“
Tepest gibt darauf keine Antworten. Vielmehr erkundet sie diese und andere Fragen in subjektiver Prosa und fordert mich auf, es ihr/ihm gleichzutun. Auch im Essay „Essay on what I think about a lot“ gibt dey (mir) lustvolle Denkanstöße, die mich einladen meine Fantasien zu erforschen und sie zu hinterfragen.
Es ist diese spielerisches und lustvolles queere Schreiben in literarisch anspruchsvoller Form, das diesen Band charakterisiert und mir beim Lesen viel Spaß macht. Es liest sich neuartig und anders.
Auch ernstere, autobiografische Kapitel aus Tepests Kindheit, die in der dritte Person erzählt werden, um eine gewisse Distanz deutlich zu machen, finden sich in einen Essay.
Ein weiteres, gesellschaftlich relevantes und aktuelles Thema, über das Tepest schreibt, ist die Rezeption von queeren Menschen in der Öffentlichkeit. Allen voran in der kulturellen Szene.
“Denn ich habe das untrügliche Gefühl, dass Heteros sich einfach besser fühlen, wenn sie ein kleines bisschen queer sein können – und so umso erfolgreicher ihrer privaten und beruflichen Wege gehen.”
Ich empfand „POWER BOTTOM“ als unterhaltsame und anregend verführerische Lektüre, die mich mit ihrem literarischen Anspruch und ihrer stilistischen Vielfalt überrascht hat.
Vielen lieben Dank an den MÄRZ Verlag und Barbara Kalender für das Rezensionsexemplar!
Übrigens: im Februar wird der erste Roman von Tepest mit dem Titel „Schreib den Namen deiner Mutter“ erscheinen. Ich bin gespannt!!
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