Ich denke ja immer, die jüngeren Generationen sind heute freier, aufgeklärter und experimentierfreudiger, vor allem in sexueller Hinsicht. Aber natürlich haben auch jüngere Menschen ihre ganz eigenen Struggles, vor allem auch in sexueller Hinsicht, wie ich in „Ruby Baby“ von April Alexandersdottir nachlesen kann.
Die junge Ruby hat eigentlich ein tolles Leben. Sie will vielleicht studieren, hat viele Freund*innen und die ganze Welt mit ihren Möglichkeiten steht ihr offen. Die nötige Sicherheit findet sie bei ihrem liebevollen Freund Jonas, mit dem sie zusammenwohnt und viel Sex hat.
Aber dann täuscht Ruby beim Liebesspiel einen Orgasmus vor und ist hinterher von sich selbst entsetzt und enttäuscht. In ihrer modernen Sozialisation ist das Faken eines Orgasmus eine feministische Bankrotterklärung. Sie merkt, dass sie mit Jonas nicht darüber sprechen kann, obwohl er etwas ahnt.
Seit diesem Vorfall kreisen ihre Gedanken um ihre Beziehung und ihr eigenes Selbstwertgefühl. Ich finde, Alexandersdottir hat mit Ruby eine Figur geschaffen, die ihre zwanghafte Selbstfixiertheit selbst wunderbar beschreibt und analysiert wie sehr sie darunter leidet. Ruby ist ziemlich lost, hat einige Probleme mit ihrem Selbstwert und sucht die Lösung in Sex und dem Begehrtwerden von Männern.
Ruby Baby – Coming of age mit literarischem Anspruch
Mit ein bisschen Lebenserfahrung weißt du vielleicht, dass dieser Weg keine Lösung ist und in die Selbstzerstörung führt.
Mir gefällt es sehr gut, wie sensibel und auch literarisch Alexandersdottir Rubys innere Konflikte herausarbeitet und auch den Ursachen auf den Grund geht. Die werden allerdings letztlich nur auf Rubys persönlicher Ebene verortet und nicht den strukturellen Rahmenbedingungen zugeordnet, was ich persönlich ein bisschen anders sehe. Aber es muss auch nicht jeder Roman eine feministische Analyse patriarchaler Unterdrückung sein.
Ich habe „Ruby Baby“ sehr gerne gelesen und es freut mich, dass der Debütroman der jungen Norwegerin in ihrem Heimatland bereits so erfolgreich war. Eine Newcomerin, die es lohnt, im Auge zu behalten.
Vielen lieben Dank an den Ecco Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem schönen Cover. Danke und viel Erfolg an April Alexandersdottir für ihren Roman!
Aus dem Norwegischen von Karoline Hippe.





Schreibe einen Kommentar