Viktoria und Helene sind schon seit Ewigkeiten beste Freundinnen, haben schon so einiges miteinander erlebt und sind mittlerweile Mitte 40. Obwohl sich die beiden für ziemlich unterschiedliche Lebenswege entschieden haben, Viktoria ist jung Mutter geworden und hatte immer viele Männer in ihrem Leben, Helene hat Karriere gemacht und ist glücklich Single, waren sie immer im engen Kontakt und standen sich sehr nahe. Doch allmählich schleichen sich Missstimmungen und Missverständnisse in ihre Beziehung. Während sich Viktoria Hals über Kopf in eine Situationship mit einem wesentlich jüngeren Mann, Polly, stürzt, hat Helene dafür nur wenig Verständnis.
Außerdem streut die Entscheidung von Viktorias Tochter Lara, erst mal bei Helene zu wohnen viel Salz in alte Wunden. Lara und Viktoria haben eine nicht unbelastete und komplizierte Mutter-Tochter Beziehung.
„Mama hat mit mir abgeschlossen, dachte sie, als wäre ich ein Projekt, das sie zu Ende bringen musste, und jetzt ist die Sache erledigt und sie hat neue Projekte.“
Als der Rabe Toni, den Viktoria auf der Forschungsstation, wo sie arbeitet, großgezogen hat, sich äußerst merkwürdig verhält, rücken die drei Frauen wieder näher zusammen. Gemeinsam mit Polly rätseln sie, was der Rabe ihnen möglicherweise mitteilen möchte. Sind sie einer neuen wissenschaftlichen Entdeckung auf der Spur?
Ich kenne die schriftstellerische Arbeit von Felicitas Prokopetz bereits von ihrem Debütroman „Wir sitzen im Dickicht und weinen“, der mir super gut gefallen hat und der dafür sorgte, dass ich den neuen Roman der Autorin unbedingt lesen wollte.
Schon schwankte die Welt
Leider konnte mich „Schon schwankte die Welt“ nicht in gleicher Weise begeistern, wie das beim Vorgänger der Fall war. Das lag zum einen an der Plotlinie mit dem Raben, die mich so gar nicht überzeugt hat. Es gelingt Prokopetz zwar wunderbar, diese Geschichte wie es auf dem Klappentext heißt „sanft und geheimnisvoll“ zu Ende zu bringen und wie ich fand, sehr gelungen zu lösen, dennoch was nicht wirklich mein Fall. Zum anderen fand ich die einzig männliche Figur des Romans Polly ziemlich platt und durchschaubar und seine Perspektive eigentlich obsolet.
“Manchmal dachte er, Viktoria und Helene verstünden aufgrund ihres Alters nicht so ganz, was Sache war.”
Ich hatte mit „Schon schwankte die Welt“ aber trotzdem eine ziemlich gute Lesezeit, weil Prokopetz einfach ein Händchen für die zwischenmenschlichen Beziehungen ihrer Figuren hat und die Freundinnenschaft zwischen Helene und Viktoria, sowie die Missverständnisse und verschiedenen Perspektiven der drei Frauen ganz wunderbar eingefangen hat. Auch die kleinen niederschwelligen feministischen Botschaften der Geschichte mochte ich super gern.
Der Schluss des Romans rundet die Geschichte insgesamt wunderbar mit ein bißchen Magie und Fantasie ab.
Ich bin gespannt, wie sich die Autorin weiter orientieren wird und freue mich nach wie vor auf neue Romane von ihr.
Vielen lieben Dank an den Eichborn Verlag für das schöne Rezensionsexemplar und natürlich an Felicitas Prokopetz für den Roman!





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