Schon in meiner Rezension zu „Es gibt keine Wale im Wilmersee“ von 2021 schrieb ich: „Ich freue mich auf weitere Arbeiten dieser starken jungen Autorin!“. Jetzt ist es endlich soweit und der zweite Roman von Laura Dürrschmidt „Sommer der schlafenden Hunde“ ist erschienen und er hat mich mega überrascht.
Denn die Tonalität von „Sommer der schlafenden Hunde“ unterscheidet sich schon sehr vom Vorgängerwerk, was ich allerdings keinesfalls negativ konnotieren möchte, sondern als Beweis für Dürrschmidts Entwicklung und Vielseitigkeit.
Gleich die Eingangszene setzt den Ton und die Stimmung für den restlichen Roman: ein Hund wird brutal erschlagen. Und zwar nicht von irgendjemand, sondern von der Ich-Erzählerin, die ich durch den Roman über 400 Seiten begleiten werde.
Hunde und Gewalt sind die Bilder, die den Roman durchziehen. Im Zentrum des Wahnsinns steht die Beziehung zwischen Lena, genannt Laika, und ihrer Mitbewohnerin Trice.
„Hassliebe, hat Trice mal gesagt. Ich hassliebe dich. Ich hass-liebe dich mehr als mein Leben. Ich hasse und liebe dich abwechselnd, hatte ich geantwortet.
Mehr, als ich mich selbst hassen oder lieben könnte.
Ich hasse und liebe dich gleichzeitig, hat Trice geantwortet, keins von beidem überwiegt so richtig, aber vielleicht passiert es ja doch noch, dass eins von beidem überwiegt, und dann sehen wir weiter.“
Klingt vielleicht so ein bißchen toxisch? Oh ja, und das nicht erst seit gestern.
Dürrschmidt zeigt in Rückblenden, die bis in die Zeit des Abiturs zurückreichen, die Vergangenheit dieses toxischen Duos. Das Duo war früher nämlich ein Trio, aber Sascha ist tot. Klar natürlich, dass die Umstände von Saschas Tod erst ganz zum Schluss gelüftet werden, was sich nicht nur spannend anhört, sondern ich auch so empfinde. Klar natürlich auch, dass Laika und Trice nicht so ganz unbeteiligt an Saschas Tod sind.
Aber Dürrschmidts Fokus liegt gar nicht auf der Auflösung dieses Rätsels, sondern auf der Beziehungsdynamik der beiden Frauen.
Sie nimmt sich viel Zeit, um tief in die Psyche und die Gedankenwelten ihrer kaputten und orientierungslosen Figuren einzutauchen.
Insofern erinnert mich „Sommer der schlafenden Hunde“ ein bißchen an „Tokyo Girls Club“, das ich erst vor Kurzem gelesen habe. Mit dem Unterschied, dass Dürrschmidt wesentlich (!) drastischer und derber in ihrer Sprache ist und sie viel mehr Queerness in die Beziehung der zwei (drei) Frauen legt.
Ein leiser Aspekt, den ich aus dem Roman zwischen den ganzen Schlägereien, der Gewalt und den gegenseitigen Abhängigkeiten herauslese, ist die Tatsache, dass wir oft gar nicht wissen, was sich hinter der Fassade von anderen eigentlich wirklich verbirgt. Dass nach außen getragene Coolness und Abgeklärtheit oft eigentlich nur ein Schutzpanzer für das verletzliche Ich ist. Sicher, das ist keine neue und super geheimnisvolle Message, aber Dürrschmidt verpackt sie neu, unterhaltsam und aufregend.
Boah, ja doch, hat mir ziemlich gut gefallen, der neue Roman von Laura Dürrschmidt. Und es gilt hoffentlich: nach dem neuen Roman von Laura Dürrschmidt ist vor dem neuen Roman von Laura Dürrschmidt 😅!
Vielen lieben Dank an die Aufbau Verlage für das gewünschte Rezensionsexemplar mit dem wunderschönen Cover. Danke und viel Erfolg an Laura Dürrschmidt für ihren Roman!





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