TOKYO GIRLS CLUB von Asako Yuzuki

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Tokyo Girls Club Asako Yuzuki

Der Erste ins Deutsche übersetzte Roman „Butter“ von Asako Yuzuki hat sich sehr erfolgreich verkauft und kam sowohl im Feuilleton als auch bei seinen Leser*innen sehr gut an. Auch bei mir hatte der gesellschaftskritische und sinnliche kulinarische und krimiähnliche Roman nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Keine Frage, dass ich mehr von der japanischen Schriftstellerin lesen wollte. Jetzt ist endlich ein weiterer Roman auf deutsch erschienen, übersetzt von Ursula Gräfe, die bereits „Butter“ ins Deutsche übertragen hatte. „Tokyo Girls Club“ erschien in Japan allerdings bereits 2015, so kann ich also nicht vom „neuen“ Roman von Yuzuki sprechen.

Das macht aber gar nichts. Denn „Tokyo Girls Club“ war ein Roman genau nach meinem Geschmack und ich habe es sehr geliebt! Anders als der Titel vermuten lässt, ist „Tokyo Girls Club“ ein Roman mit sehr großer psychologischer Tiefe. Er nimmt sich sehr viel Zeit für die Psychogramme und die Entwicklung seiner Figuren.

Yuzuki stellt in ihrem Roman zwei sehr unterschiedliche Frauen einander gegenüber: Da ist auf der einen Seite die beruflich sehr erfolgreiche und makellos wirkende Eriko, die ein sehr kontrolliertes, aber einsames Leben führt. Sie stammt aus einem gesellschaftlich und finanziell gut aufgestellten Haus und wohnt noch immer bei ihren Eltern, die sie liebevoll umsorgen. Als einziges frivoles Laster verfolgt sie gerne einen Hausfrauenblog (die scheinbar zu dieser Zeit in Japan sehr beliebt und erfolgreich waren). Und weiß über jede Gewohnheit der Erstellerin Bescheid.

Als sich die beiden Frauen im echten Leben zufällig kennenlernen, entsteht trotz ihrer Unterschiede eine scheinbar magische Verbindung und sie fühlen sich gegenseitig gesehen.

Vor allem bei Eriko löst dieser eine gemeinsam verbrachte Abend den tiefen Wunsch nach einer besten Freundin aus. Sie glaubt, diese endlich in Shoko gefunden zu haben.

Wer gehört zum „Tokyo Girls Club“?

Denn eine beste Freundin wäre das letzte Puzzlestück, das ihr noch zu einem perfekten und erfüllten Leben fehlen würde.

Doch beide Frauen haben es aus verschiedenen Gründen nie richtig gelernt, sich emphatisch in andere hineinzuversetzen und sozial angemessen zu agieren. Diese toxische Kombination setzt eine ungute Kaskade von Entwicklungen in Gang…

Auf der anderen Seite ist der Kern von Freundschaft, den auch Yuzuki in ihrem Roman hervorhebt, international und universell: sich voreinander so zeigen zu können, wie man wirklich ist und füreinander dazu sein

Eriko und Shoko verlieren im Laufe des Romans, das, was ihnen am wichtigsten ist und erleben auf völlig unterschiedliche Art eine große persönliche Reise. 

Ich finde es auch gut, dass Yuzuki die Geschichte auch am Schluss sehr realistisch hält. Und nicht das vielleicht gewünschte Ende heraufbeschwört.

Für Leser*innen, die sich gerne auf detaillierte Psychostudien und Entwicklungsromane einlassen auf jeden Fall eine Empfehlung. Für Liebhaber*innen von japanischer Literatur meiner Meinung nach ein Must-Read.

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