“Stolz und Zweifel” heißt das neue Buch der Roman- und Sachbuchschriftstellerin Marlen Hobrack, und es ist, wie der Untertitel schon verrät, eine Verteidigungsschrift der Mutterschaft. Gleich zu Beginn stellt Hobrack die These auf, dass Mutterschaft für viele Frauen, insbesondere für feministisch sozialisierte, heute komplett negativ und als Zumutung konnotiert ist. Ihrer Meinung nach fokussieren sich liberale Medien, Autor*innen und Influencer*innen zu sehr auf die Nachteile, Einschränkungen und Ungerechtigkeiten, die Mutterschaft heute immer noch für viele Frauen mitbringt.
Auch Hobrack will natürlich die Kosten, die für Frauen mit der Mutterschaft anfallen, keinesfalls in Frage stellen, wie sie klar und deutlich formuliert. Sie wünscht sich allerdings eine (Rück-)Besinnung auf die Vorteile und die emotionale Fülle, die Mutterschaft ebenfalls für Frauen mitbringen kann. Die Mutterschaft als Quelle der Kraft, der Erfüllung und des Stolzes, die heute oft mit feministischen Idealen von Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung konkurriert.
Stolz und Zweifel – Mutterschaft neu denken?
Für mich ist das neue Buch von Marlen Hobrack keines, bei dem ich meinungsmäßig bei allen Punkten mitgehen würde. Im Gegenteil, viele Punkte sehe ich anders und die Erfahrungen, die Hobrack gerne für alle Frauen verallgemeinert, widersprechen meinen persönlichen Erfahrungen.
Das liegt wahrscheinlich auch an meinem Lebensumfeld, das sich von dem Hobracks vermutlich deutlich unterscheidet. In meinem ländlichen Umfeld sind Feminismus und Gleichberechtigung noch nicht weit vorgedrungen. Mutterschaft gilt meist für Frauen noch als natürliche Bestimmung und Erfüllung. Begriffe wie „Regretting Motherhood“ sind nicht verbreitet bekannt und werden nur sehr selten diskutiert. Nur ganz allmählich und vereinzelt dringen populären Stimmen wie die von Alexandra Zykunov bis zu den Müttern in meinem Umfeld vor und schaffen langsam ein wachsendes Bewusstsein für die vorher nie reflektierten Rollenbilder. Die von Hobrack beschworene rein negative Aufladung von Mutterschaft kann ich hier nicht erkennen, sondern vielmehr, dass junge Frauen ihre Lebens- und Berufsplanung immer noch darauf ausrichten, dass sie später gut mit ihrem Familienleben vereinbar ist. Mütter, die in meinem Umfeld über die negativen Seiten und strukturellen Ungerechtigkeiten von Mutterschaft sprechen, sind definitiv in der Minderheit.
Aber ich finde, gerade weil ich eben nicht mit allen Punkten von Hobrack übereinstimme, dass „Stolz und Zweifel“ einige sehr interessante Denkanstöße enthält. Gerade als Frau und Mutter, die sehr vom Lean-in und Girl Boss-Feminismus geprägt und bitter enttäuscht wurde, fühle ich mich sehr gesehen und abgeholt, auch wenn ich dadurch nicht zu dem gleichen Fazit wie Hobrack komme.
Vielen lieben Dank an Harper Collins für das schöne Rezensionsexemplar. Danke und viel Erfolg an Marlen Hobrack für ihr neues Buch!





Schreibe einen Kommentar