Hannchen, Lisa und Sabine.
„Damit sind es drei Generationen von Frauen vor mir, die vielleicht eine Art von Schmerz aneinander weitergegeben haben; mindestens.“
Und das vierte Leben ist das von Mirabell, der Ich-Erzählerin selbst, die zu diesen Frauen gehört und versucht, die Weitergabe von Schmerz zu durchbrechen.
Vier Leben, vier Generationen, vier Frauen. Und dazwischen ganz viel Schweigen.
Hannchen, 1933, wird von ihrem Vergewaltiger schwanger und von ihrer Familie verstoßen. Ihre Tochter Lisa erfährt erst spät, dass Erna gar nicht ihre leibliche Mutter ist. Als sie selbst Mutter einer Tochter wird, entwickelt sie schwere Depressionen und denkt an Selbstmord. Auch Lisa hat große Schwierigkeiten, für ihre Tochter Sabine, die Mutter zu sein, die sie gebraucht hätte. Und Sabine, die Mutter der Erzählerin Mirabell, hat als Frau in den 90er einen so starken Wunsch nach Zugehörigkeit und Familie, dass sie bei einem toxischen Partner bleibt.
Über vier Leben – über vier Frauen
Mirabell selbst ist eine junge Frau im heute, die sich nach einer Beziehung sehnt und unter der distanzierten Beziehung zu ihren Eltern leidet. Sie spricht darüber mit ihrer Therapeutin und schreibt die Lebensgeschichten ihrer weiblichen Familienmitglieder auf.
Das ist eine sehr schöne Konstruktion, die Hatscher für ihren Debütroman gewählt hat und ein doppeltes Spiel mit der Fiktion. Allerdings möchte ich einige meiner Kritikpunkte nicht unerwähnt lassen. Hatscher gelingt es in meinen Augen nicht, ein lebendiges Bild der jeweiligen Zeit, in der die Frauen leben, entstehen zu lassen. Die historische, gesellschaftliche und soziale Umgebung bleibt weitgehend unerwähnt und die Autorin fokussiert sich hauptsächlich nur auf das direkte Umfeld ihrer Figuren. So bleiben deren Lebenssituation und Handlungsmotivationen ohne Einordnung und Kontextualisierung.
So bekomme ich zwar durchaus ein Gefühl dafür, wie schwer es die Frauen in Mirabelles Familie hatten und wie ungerecht und hart ihr Schicksal war, aber nicht, warum die Figuren so wenig Handlungsspielraum haben, es zu verändern. Nur ganz am Anfang und dann wieder zum Schluss gelingt es Hatscher, mich doch noch emotional zu erreichen.
Ich denke, dass “Über vier Leben” ein gut lesbarer und eingängiger Roman ist, der sicher viele Leser*innen für sich gewinnen kann. Für mich hat es aber nicht gereicht, um mich “lange nachhallend”, wie er beworben wird, zu beschäftigen.
Vielen lieben Dank an den Eichborn Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem schönen Cover. Danke und viel Erfolg an Pauline Hatscher für ihren Roman!





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