Tana French gehört zu meinen absoluten Lieblings-Spannungs-Autorinnen. Ich glaube, ich muss die Zeit, in der ich ihre Romane und Krimis verschlinge, jetzt schon in Jahrzehnten angeben und ich habe jeden auf Deutsch erschienenen Krimi von ihr gelesen. In meiner letzten Rezension fiel sogar der Begriff „French Ultra“. „Wie ein Fluss in der Nacht“ ist jetzt schon der dritte Roman, den French, für sie eigentlich unüblich, im gleichen Setting und mit den gleichen Figuren ansiedelt. Nach „Der Sucher“ und „Feuerjagd“ verfolge ich auch diesmal wieder den ehemaligen amerikanischen Cop Cal, der mittlerweile in dem kleinen irischen Dorf Ardnakelty lebt. Eigentlich wollte Cal dort ein altes Farmhaus restaurieren und gemütlich seinen Ruhestand genießen, aber es kommt natürlich anders.
In Ardnakelty wird eine junge Frau vermisst, die wenig später tot aus einem Fluss geborgen wird. Angeblich hat sie sich aus Liebeskummer das Leben genommen. Das Dorf ist in Aufruhr und schnell brodelt die Gerüchteküche, auch weil ihr Verlobter der Sohn des ortsansässigen einflussreichen Oberreichens ist, der von vielen in der ehemaligen Rolle eines Squires gesehen wird.
Tja, natürlich weckt das auch Cals Interesse und das seines Schützlings Treys. Auch Lena, Cals Freundin, spielt eine besondere Rolle in der Geschichte.
Auch in „Wie ein Fluss in der Nacht“ lebt French’s Spannung von den Psychogrammen ihrer Figuren und wird in ihren Ardnakelty-Romanen hauptsächlich von den ganz eigenen Dynamiken des Dorfes und der Beziehung zwischen Cal, Trey und Lena vorangetrieben.
Komischerweise mag ich Cal und die Dorfbewohner*innen. Obwohl ich behaupten würde, das gehäufte Auftreten von alten weißen Knackern in Romanen ist ein Lese-Ausschlusskriterium für mich.
Was ist wie ein Fluss in der Nacht?
Jetzt muss ich leider sagen, die Kriminalstory an sich hat einen Bart bis zum Boden. Sie kann mich, genauso wie die Figuren, in keinster Weise überraschen. Sorry, das findest du in den anderen Romanen von French besser und spannender. Was mich aber auch hier bei der Stange hält, ist Frenchs Wahnsinns-Erzähltalent und ihr großartiges psychologisches Einfühlungsvermögen. Wie sie ihre Figuren ausleuchtet, gefällt mir einfach wieder sehr gut. Auch wenn mir eine gewisse subtile düstere Note, die sie oft in anderen Romanen zeigt, fehlt.
Ich glaube, ich würde beim nächsten Roman von French gerne wieder ein anderes Setting sehen und die Anzeichen dafür stehen gut.
🔥 Wenn du noch nichts von French gelesen hast, empfehle ich dir ganz dringend “Der dunkle Garten” oder “Schattenstil”, beides absolute Highlights der Spannungsliteratur und in meinem ewigen Bücherregal.
Ein besonderer Genuss war für mich die Hörbuchausgabe des Argon Verlags, die mir auf meinen großen Wunsch als digitales Hörexemplar zur Verfügung gestellt wurde. Danke dafür!
Der Sprecher Wolfgang Wagner, der auch „Der Sucher“ und „Feuerjagd“ eingesprochen hat, lässt einmal mehr die Bewohner*innen von Ardnakelty lebendig werden und ich spüre förmlich die neblige und erdige Atmosphäre der irischen Landschaft. Ein echter Hörgenuss!
Übersetzt von Henning Ahrens . Das Hardcover erscheint bei den S. Fischerverlagen.




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