Wünschen wir uns das nicht alle? Gold in unserem Leben? Natürlich nur im übertragenen Sinne. Wobei – ich würde auch ein bisschen echtes, wortwörtliches Gold nicht ablehnen. Aber viel wertvoller noch sind die seltenen goldenen Momente in unserem Leben, die kleinen besonderen Momente, die alles erleuchtet erscheinen lassen.
Auf der Suche nach diesem Gold ist auch die Protagonistin Jana in Lisa Roys neuem Roman. Natürlich im übertragenen Sinn. Sie ist Ende 20 und hat gerade festgestellt, dass ihr Job scheiße ist und nach der Trennung von ihrem Freund wohnt sie erst mal wieder bei ihren Eltern im Kinderzimmer. Außerdem hat sie gerade festgestellt, dass sie ungeplant von einem One-Night-Stand schwanger geworden ist.
Jetzt wird sie von Übelkeit geplagt und weiß gar nicht mehr, welche Richtung sie im Leben und überhaupt einschlagen soll.
“Wie konnte das passieren? Wie konnte es passieren, dass sie fast dreißig ist und nichts weiß – nicht, wer sie ist, nicht, was sie sich zutraut, nicht, was sie will, nichts. Nicht einmal erfolgreich verhüten kann sie. Wie konnte das passieren?”
Roy stellt Jana bereits nach ein paar Seiten die wunderbare Miral zur Seite und die beiden Frauen unternehmen spontan einen Roadtrip nach Italien.
Ungeplante Schwangerschaften und ein Roadtrips sind eigentlich Romanzutaten, die ich tunlichst zu vermeiden versuche. Aber Lisa Roy konnte mich mit ihrem Debütroman „Keine gute Geschichte“ so überzeugen, dass ich auch ihren zweiten Roman unbedingt lesen wollte.
Alles ist Gold – und alles glänzt?
Und tatsächlich hat sich dieses Vertrauen ausgezahlt, denn Janas Geschichte entwickelt sich anders als ich das erwartet hatte und entwickelt dank Roys dezent magisch-realistischen Schreibstil eine überraschende Tiefe.
Denn die Frage, wie und wo wir denn das Gold in unserem Leben finden ist so ziemlich universell. Und während Jana anfangs noch denkt, mit dem richtigen Mindset wird alles zu Gold, merkt sie, dass es vielleicht komplexer ist. Und auch das Erreichen der drei KKKs (Karriere, Kinder, Kirche) kann nicht automatisch jeden Moment in Gold verwandeln.
„Alles ist Gold“ war für mich ein schöner Roman über das Zweifeln und die Suche nach dem Glück. Eine Geschichte über Freundschaft, Familie und Gemeinschaft.
Und obwohl „Alles ist Gold“ ein zweifellos ein super gelungener zweiter Roman ist, konnte er mich nicht so abholen wie Roys Debüt „keine gute Geschichte“, das ich einfach roher, ungeschliffener und thematisch aufregender fand.
Jetzt bin ich natürlich sehr darauf gespannt, welche Richtung Lisa Roy in ihrem nächsten Roman (den es hoffentlich geben wird) einschlagen wird.
Vielen lieben Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar mit dem mega Cover. Danke und viel Erfolg für Lisa Roy für ihren neuen Roman!





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